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Unbekannt: Ans Clavier. [II]

Mit stillem Kummer in der Brust,
Schleich' ich mich jetzt zu dir.
Verleih mir unschuldsvolle Lust,
Du zärtliches Clavier!

In deine Saiten sing' ichs oft,
Verfolgt die Bosheit mich.
Die Thräne fließt – und unverhofft
Genieß' ich Ruh durch dich!

Du lispelst meine Klagen nach,
Voll Sympathie – und auch
Verräthst du niemals, was ich sprach,
Nach falscher Freunde Brauch.

Bald sing' ich zu dem Silberklang
Von deinem Saitenspiel
Dem Herrn der Erde Lobgesang,
Und warmes Dankgefühl.

Bald sing' ich keusche Liebe drein,
Die mir im Busen glüht,
Und so wie deine Saiten rein –
Vor Gottes Augen blüht.

So laut mein Herz der Tugend schlägt,
So laut sey mein Gesang!
So lang mein Busen Unschuld hegt,
Verleih mir Himmelsklang!

Das ungewisse Glück der Welt
Erhöhst du immer mir.
Und wenn mir's Neid und Haß vergällt,
So find ich Trost bey dir! –

Dank sey dem Mann, der hohe Lust
Einst durchs Clavier erfand!
Ihm danke jede sanfte Brust,
Die Freude durch ihn fand!

zitiert nach: J.N. Forkel, Musikalisch-kritische Bibliothek. Gotha 1778-1779, Bd. 2, S. 394 f.