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Manfred Hausmann: Alte Musik

Die Noten sind aufs Cembalo gebreitet,
die Gambe ist, die Flöte zubereitet,
drei Flammen schweben über ihrem Docht.
Der Gram des Tages dämpft sich und der Wille,
und wir versinken in der großen Stille,
zu der die Stunde sich vermocht.

Und nun ereignet sich der Augenblick
des Anfangs wie ein schmerzliches Geschick,
da wir von aller freien Lust uns trennen
und uns ergeben diesem Strengen ganz,
dem tief Geheimen, dessen Ton und Glanz
zu schwierig ist, um ihn zu nennen.

Einsamste Weltennacht um uns. Wir ziehen dahin
mit den verschlungnen Melodien.
Schwermütig denkt die Gambe ihren Traum,
die Flöte singt das Sehnen und das Irren,
aber das Cembalo mit zartem Klirren
streut Sterne in den leeren Raum.

Und es geschieht ein sphärischer Gesang,
selig in sich und fern und todesbang,
und wird wie durchsichtig in seinem Wehen,
weht immer noch und dauert seine Frist,
und jeden überläuft es, und es ist,
als habe Gott hindurchgesehen.

Und dann zerbricht's und fällt und geht zu Ende.
Schwer legt das Schweigen sich auf unsre Hände.
Wir sitzen atmend da in Glück und Scham.
Wie gut wir uns auch waren beim Beginnen,
ach, jetzt gehören wir uns ganz da innen
so anders noch und wundersam.