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William Shakespeare: Sonett 128

How oft, when thou, my music, music play'st
Upon that blessed wood whose motion sounds
With thy sweet fingers, when thou gently sway'st
The wiry concord that mine ear confounds,

Do I envy those jacks that nimble leap
To kiss the tender inward of thy hand,
Whilst my poor lips, which should that harvest reap
At the wood's boldness by thee blushing stand!

To be so tickled, they would change their state
And situation with those dancing chips
O'er whom thy fingers walk with gentle gait,
Making dead wood more blest than living lips.

Since saucy jacks so happy are in this,
Give them thy fingers, me thy lips to kiss.

Übersetzungen:

Wenn du, mein Wohllaut, Wohllaut läßt erklingen
Aus dem geweihten Holz, das tönend wird,
Wenn deine süßen Finger sanft beschwingen
Der Drähte Einklang, der mein Herz verwirrt,

Zürn ich den Tasten, die im Tanz berührt
Zu hast'gem Kuß das Innre deiner Hand
Indes mein armer Mund, dem dies gebührt,
Errötend ob des Holzes Kühnheit stand.

Gern hätt Gestalt und Wesen er getauscht
Mit den Gesellen, die da tanzend wippen,
Da deine Hand das tote Holz berauscht
und mehr beglückt als die lebendigen Lippen.

Doch wenn die Kecken schon verwöhnt von dir,
Gib ihnen deine Hand, den Mund gib mir.

Übersetzung: Therese Robinson

Musik bist du für mich, doch wenn Musik erklingt
Aus diesem hölzernen, dem drahtbespannten Kasten
Weil jeder deiner süßen Finger lieblich singt
Wenn sie im Takt des Busens über Tasten hasten

Ach, wie beneid ich dann die Holzklötzchen um dich
Sie kitzeln deine Hände keck beim Rumklaviern
Und meine armen Lippen schmachten, röten sich
Vor Zorn, wenn sich so Kerlchen mit dir amüsiern

Die necken, schmeicheln, treiben schamlos Schabernack
Mein Kußmaul wird verschäht – ich leide Frust
Denn deine Finger tätscheln totes Tastenpack
Statt daß sie mich, der lebt, beseligen mit Lust

Na gut, wenn deine Hände Holz halt streicheln müssen
Lass deine Lippen mir! Ich brauch sie doch zum Küssen

Übersetzung: Wolf Biermann

Wie oft, mein Herz, wenn du die Tasten rührst,
Daß unter deinen zarten Fingern klingt
Beglückt ihr Holz, und alle Saiten führst
Zum vollen Einklang, der mein Ohr bezwingt;

Wie oft beneide ich die Tasten dann,
Die deiner Hand entbieten ihren Kuß,
Wenn ich in der Entsagung schwerem Bann
Ihr keckes Spiel errötend sehen muß.

Ach, meine Lippen tauschten Rang und Stand
Mit ihnen gern um soviel Seligkeit,
Da totem Holz der Druck von deiner Hand
Mehr Glück als der lebend'gen Lippe leiht.

Scheint wert das Holz so hoher Gnade dir,
Gib ihm die Hand zum Kuß, die Lippe mir!

Übersetzung: Max Josef Wolff

Wie oft, wenn du, mein Lieb, ein Lied mir spielst
Und über diese leichtbewegten Tasten,
Mit denen du beseligend ins Ohr mir zielst,
Die Kuppen deiner süßen Finger hasten, –

Beneide ich die kecke Tastatur,
Die küssen darf das Inn're deiner Hand,
Das leidenschaftlich meinen Lippen nur
Gehören sollt, die es so zärtlich band.

Ach, würden diese Lippen einmal so berühmt,
Wie jenes tanzbeschwingte Holz,
Das alle Töne-Tage deine Finger spürt –,
Mit ihm zu tauschen, ja, das wär' mein Stolz.

Doch wenn der freche Klotz geküsst sein muss:
Reich ihm die Hand, die Lippe mir zum Kuss.

Übersetzung: ???