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Marpurg: Anleitung zum Clavierspielen

Kap. 1.9.2.8

Achtens. Von der Zergliederung, oder Brechung.

<59> § 1. Diese Manier kann nur in mehrstimmigen Sätzen gebraucht werden, und besteht darinnen, daß man zwey, drey, oder mehrere übereinander gesetzte Noten, anstatt solche miteinander zusammen anzuschlagen, vereinzelt und nacheinander anschlägt. Es ist kein anderer Unterscheid zwischen den gebrochnen Manieren, wovon wir oben gesprochen, und diesen, als daß man allhier die Töne, so wie man sie nacheinander anschlägt, liegen lässet, bey jenen aber nicht.

<60> § 2. Die harmonische Zergliederung, womit wir hier zu thun haben, kann von unten gegen oben, wie bey Fig. 16. Tab. V. oder von oben gegen unten, wie bey Fig. 17. geschehen. Fängt die Zergliederung von unten an, so bekömmt die unterste Note einen Querstrich, und fängt dieselbe von oben an, so bekommt die oberste einen.

NB: Tab. V. Fig. 16-17

§ 3. Wenn man den Schleifer in der Zergliederung anbringt, so nennet man solches eine accentuirte Zergliederung oder Brechung. Dieser Schleifer aber wird allhier durch einen halben Bogen vor den beyden zuschleiffenden Noten angezeiget, und ob solcher von oben nach unten oder von unten nach oben geschehen solle, wird an dem Zeichen der Brechung erkannt. Man sehe Fig. 18. und 19. Tab. V. Wenn zwey halbe Bogen vorhanden sind, so wie bey Fig. 20. so bedeutet solches zwey Schleiffer in eben demselben Satze. Wenn der halbe Bogen vor zwey Noten steht, die zusammen eine Quarte ausmachen, so pfleget man alle dazwischen liegende Nebennoten mitzunehmen, wie bey Fig. 21. Tab. V. Sowohl der Schleifer mit der Terz als mit der Quarte wird auch mit kleinen Nötchen öfters angezeiget. Tab. V. Fig. 25. 26.

NB: Tab. V. Fig. 18-21, 25-26

§ 4. An statt des Schleifers bringet man auch öfters den abgeschnappten Mordenten an, von welchen § 2. im vorigen Artikel gesprochen worden. Dieses zu thun, schläget man die Note, womit der Schleifer sonst gemacht werden sollte, mit den Hauptnoten zugleich an, und hebet hernach den Finger von der Nebennote wieder auf. Man sehe Fig. 22. Tab. V. wiewohl man solches wegen der engen Linien nicht gut in Noten ausdrücken, und dasselbe also viel eher practisch gezeiget werden kann.

NB: Tab. V. Fig. 22

§ 5. Man lässet vor derjenigen Note, mit der die Brechung anfängt, oft einen Vorschlag vorher hergehen. Tab. V. Fig. 23. und 28. öfters eine Walze. Fig. 24. oder Doppelschlag. Fig. 27. oder Triller. Fig. 29.

NB: Tab. V. Fig. 23-24, 27-29