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Pilgerhut und Jakobsmuschel

Die mittelalterlichen Wallfahrten nach Santiago de Compostela

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 24.3.1987 – Musikalische Akzente)

Musik-Nr.: 01
Komponist: Alfonso X. "el Sabio"
Werk-Titel: Santa Maria, strela do dia (Cantiga 100)
Interpreten: Montserrat Figueras
Schola Cantorum Basiliensis
Ltg.: Thomas Binkley
Label: hmd (LC ____)
1C 065 99 898
<Track xx.> Gesamt-Zeit: 1:10
Archiv-Nummer: ____
Technik: MUSIK einblenden bei
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0:38
1:40
1:50

Santiago de Compostela – "Sankt Jakob im Sternenfeld", wie es die Legende übersetzt: dieser abgelegene Ort im nordwestlichsten Zipfel Spaniens ist seit einem guten Jahrtausend magischer Anziehungspunkt für unzählige Pilger. Um hier, am Grab des heiligen Jakobus seine Schuld zu bekennen und für das künftige Seelenheil zu beten, nahmen die Menschen des Mittelalters alle erdenklichen Strapazen und Gefahren auf sich: Aus ganz Europa wanderten sie auf dem "Camino de Santiago", dem berühmten Pilgerweg, durch Frankreich und über die Pyrenäen; einzeln oder in Gruppen legten sie Hunderte von Kilometern zurück – die meisten zu Fuß, denn nur wenige Begüterte konnten sich um die Jahrtausendwende den Luxus eines Maultiers oder gar eines Pferdes erlauben.

In jedem Fall war eine Pilgerfahrt ein Aufbruch mit ungewissem Ende: Der Tod lauerte überall auf dem Weg nach Santiago – in Gestalt von Räubern und kriegerischen Mauren, in Form von Entkräftung, Seuche oder verdorbener Speise. So empfahl die Kirche denn auch, der Pilger solle vor Antritt der Reise alle irdischen Angelegenheiten regeln und ein Testament aufsetzen; mit gutem Grund: Schon einer der ersten Pilger nach Santiago, der Graf von Rouergue, wurde im Jahre 961 auf seiner Wallfahrt von Wegelagerern erschlagen.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Anonym
Werk-Titel: Wer daz elend bauen will (Strophen 1-3)
Interpreten: Ensemble für frühe Musik Augsburg
Label: Chr (LC ____)
CD 74 530
<Track 1.> Gesamt-Zeit: 1:25
Archiv-Nummer: ____

Um die Gefahren der Pilgerschaft wußte auch Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien und Graf von Poitiers, als er 1127 nach Santiago de Compostela aufbrach. Wilhelm, ein notorischer Gotteslästerer, der die Melodien lateinischer Kirchengesänge mit anzüglichen Texten unterlegte und aus Verachtung über die Frauenklöster eine "Gegenabtei" mit Huren und Kurtisanen betrieb: Was diesen Menschen auf einmal nach Santiago zog, ob das schlechte Gewissen ihn trieb oder politisches Kalkül – wir wissen es nicht. Ganz wohl war ihm aber anscheinend nicht bei seiner Abreise. In dem folgenden Lied vertraut er seinem Vetter die Sorge für sein Land und seine Familie an, bis er – so Gott will – an seinen Hof in Poitiers zurückkehrt.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Wilhelm IX. von Aquitanien
Werk-Titel: Pos de chantar m'es pres talenz
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Ensemble Peceval
Ltg.: Guy Robert
Label: Arion (LC ____)
Arn 68031
<Track 9.> Gesamt-Zeit: 5:25
Archiv-Nummer: ____

Wilhelm von Aquitanien sollte seine Familie nicht wiedersehen: Er verschied am Karfreitag des Jahres 1127 in Santiago, nachdem er zuvor noch die Beichte abgelegt und die heiligen Sakramente empfangen hatte – bei seinem lockeren Lebenswandel vielleicht die beste Versicherung für das ewige Leben.

Was veranlaßte die Menschen damals, freiwillig in die Fremde, ins "Elend" aufzubrechen und alles zurückzulassen, was ihnen in der Heimat wertvoll geworden war: Freunde, Familie, Besitztümer? War es bloß der Glaube an die "reinigende Kraft" der Pilgerfahrt, an die Abgeltung des Fegefeuers auf Erden? Oder trieb den Menschen nicht auch gleichzeitig die Neugierde und die Abenteuerlust? das Gefühl, bei allem bescheidenen Wohlstand etwas Wesentliches versäumt zu haben?

Aber nicht nur aus eigenem Antrieb begab man sich auf Pilgerschaft. Bußwallfahrten nach Santiago waren im Mittelalter eine beliebte Strafe für Vergehen aller Art. Wer Gott lästerte oder mit falschen Gewichten wog, selbst wer im Streit seinen Bruder erschlug, konnte – mit etwas Glück – darauf hoffen, zur Sühne statt an den Galgen auf Pilgerfahrt geschickt zu werden. Nicht unbedingt zur Freude der Franzosen und Spanier, die mit den Mördern und Dieben im eigenen Land genug zu schaffen hatten.

So schnürte denn der Pilger – freiwillig oder gezwungenermaßen – sein Bündel und kleidete sich den Gepflogenheiten gemäß ein: ein weiter Mantel, ein Stab zur Stütze und zur Verteidigung gegen Wölfe und Räuber, eine Umhängetasche mit einer Büchse für die Pilgerpapiere und ein breitkrempiger Hut zum Schutz vor Sonne und Regen. Dieser Hut, an dem man die Pilger schon von weitem erkennen konnte, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem solchen Verkaufsschlager, daß die Hutmacher von Avignon im 14. Jahrhundert den heiligen Jacobus zu ihrem Schutzpatron machten.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Anonym
Werk-Titel: Wer daz elend bauen will (Strophen ___)
Interpreten: Ensemble für frühe Musik Augsburg
Label: Chr (LC ____)
CD 74 530
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Archiv-Nummer: ____

Pilgerlieder wie dieses aus dem 14. Jahrhundert hatten verschiedene Funktionen: Sie dienten gleichermaßen der Andacht wie der Unterhaltung; man sang sich Mut zu oder bat die Jungfrau Maria, sie möge den rechten Weg nach Santiago weisen.

Wie sehr man auf ihre Unterstützung angewiesen war, zeigt das Mißgeschick des Augsburger Tischlermeisters Jobst Keller, der sich 1430 auf Pilgerfahrt begab. Nach einer Odyssee von vielen Monaten, die ihn bis an die nordafrikanische Küste führte, kehrte er entkräftet heim, ohne am Grab des Hl. Jakobus gewesen zu sein. Erst bei einer neuerlichen Wallfahrt drei Jahre später gelangte er dann unter großen Mühen nach Santiago.

Musik-Nr.: 05
Komponist: Alfonso X. "el Sabio"
Werk-Titel: Santa Maria, strela do dia (Cantiga 100)
Interpreten: Montserrat Figueras
Schola Cantorum Basiliensis
Ltg.: Thomas Binkley
Label: dhm (LC 0761)
1C 065 99 898
<Track __.> Gesamt-Zeit: 3:15
Archiv-Nummer: ____

Die Irrfahrt des Jobst Keller war kein Einzelschicksal. Trotz aller frommen Gesänge reichte die Hilfe der Jungfrau Maria in den seltensten Fällen aus, um ans Ziel der Reise zu kommen. Immer wieder verfehlten Pilger ihr Ziel – trotz einer Flut von schriftlichen Reiseberichten, die seit dem Mittelalter in unzähligen Abschriften kursierten. In ihnen wurden die wichtigsten Pilgerrouten genau beschrieben, und es wurde auch auf Gefahren hinwiesen, die links und rechts des Weges lauerten.

Der bekannteste dieser Pilgerführer ist wohl der "Codex Calixtinus" aus dem 12. Jahrhundert. Hart geht der Schreiber des Buches mit all denen ins Gericht, die an dem unablässigen Pilgerstrom verdienen wollen: betrügerische Wirte, falsche Beichtväter, habgierige Zöllner und boshafte Fährleute:

Vor allem die Fährleute des Ortes Saint Jean de Sorde sind entschieden zu verdammen. Besteige ihre Boote nur mit wenigen, denn wenn es zu sehr beladen ist, kentert es rasch. Oftmals lassen die Fährleute, nachdem die Pilger bezahlt haben, eine große Menge in das Boot einsteigen, damit das Schiff kentert und die Pilger im Wasser ertrinken. Dann freuen sie sich hämisch und bemächtigen sich der Habe der Toten.

Und über die Bewohner von Navarra heißt es:

Wenn man sie essen sieht, glaubt man fressende Hunde oder Schweine vor sich zu haben. Wenn man sie reden hört, erinnert es an Hundegebell. Es ist ein barbarisches Volk, voller Bosheit, unansehnlich, schurkisch, korrupt, wollüstig, trunksüchtig, gottlos und grausam, kurzum zu jeglichem Guten unfähig. Sie treiben Unzucht mit ihrem Vieh, und wegen nur einer Münze töten sie einen einsamen Pilger.

Neben solchen haarsträubenden Vorurteilen finden sich im "Codex Calixtinus" aber auch brauchbare Hinweise: Welche Wege weniger beschwerlich sind und wo es reichhaltiges Essen und saubere Betten gibt. – Auch die deutschen Pilgerlieder sind voll von solchen Informationen, obwohl aus sprachlicher Unkenntnis manches fehlgedeutet wird: wie etwa der Landstrich "Armagnac", der zu der "armen Jecken Land" wird.

Musik-Nr.: 06
Komponist: Anonym
Werk-Titel: So ziehen wir zu Sant Spiritus ein
(Wer daz elend bauen will; Strophen 4 & 5)
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Ensemble für frühe Musik Augsburg
Label: Chr (LC ____)
CD 74 530
<Track 6.> Gesamt-Zeit: 1:05
Archiv-Nummer: ____

Verpflegung und Unterkunft waren Probleme, die sich für den Pilger jeden Tag aufs Neue stellten. Nicht überall gab es christliche Hospize, von Mönchen geleitet, die sich um das leibliche Wohl und Seelenheil der Pilger kümmerten. Oft genug war man auf Wirtshäuser angewiesen, auf Menschen, deren Sprache man nicht einmal verstand. "Pilgerfallen" wurden diese Unterkünfte genannt, und der Schreiber des "Codex Calixtinus" schildert einige der unlauteren Geschäftpraktiken:

Was soll ich aber von den schlechten Wirten erzählen, welche die Pilger mit zahllosen Betrügereien enttäuschen. Manche gehen ihnen am Stadtrand entgegen und küssen sie, so als ob sie von weither angereiste Verwandte wären. Was tun sie weiter? Sie führen sie in ihre Häuser, versprechen ihnen alle guten Dinge und handeln schlecht. Wem gleichen sie, wenn nicht Judas, der den Herrn mit einem Kuß verriet! Sie reichen zuerst zum Kosten den besten Wein und verkaufen dann, wenn sie können, den schlechten. Andere verkaufen zwei oder drei Tage alten Fisch, an denen die Pilger erkranken. Oder sie zeigen ein großes Maß, und messen, wenn möglich mit einem kleinen. Wieder andere versprechen den Pilgern beste Betten, lassen sie sich bezahlen und vertreiben dann die alten Gäste, wenn neue eintreffen. Wenn das Geldstück zwei Münzen wert ist, so wertet es der schlechte Wirt als eine Münze; er macht seine Gäste betrunken, um dann während des Schlafes von ihnen Tasche und Geldbeutel zu stehlen. – Verdammt werden sie sein am Tag des Jüngsten Gerichts; sie werden die Strafe für ihre Missetaten in der Hölle ernten!

Doch es gibt auch anderes zu berichten. So erzählt der flämische Pilger Jean de Tournai von der Gastlichkeit mancher spanischer Wirtshäuser:

Nachdem wir zu Abend gegessen, nachgerechnet und bezahlt hatten, war sich unser Wirt sehr wohl darüber im Klaren, daß wir zu leben verstanden. Er fragte uns also, ob wir nicht auch ein wenig andere Freuden kosten wollten. Zunächst antwortete ich "nein", denn es schien mir, daß solche Späße sich für Pilger nicht geziemten. Als aber einer der unsrigen meinte, daß der heilige Jacobus sicherlich nichts dagegen einzuwenden hätte, holte der Wirt seinen Tambourin und sein Flageolett und spielte uns Lieder und Tänze nach dortigem Brauch; und wir tanzten, bis wir müde waren.

Musik-Nr.: 07
Komponist: Alfonso X. "el Sabio"
Werk-Titel: Cantiga 230 (instrumental)
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Clemencic Consort
Ltg.: René Clemencic
Label: HMF (LC 7045)
979
<Track xx.> Gesamt-Zeit: 1:25
Archiv-Nummer: ____

So gut dem Flamen Jean de Tournai diese musikalische Abendunterhaltung gefiel er war auf der Hut; vor allem dort, wie er schreibt:

... wo die Frauen den Wein an der Türe verkaufen; denn dort sind Dirnen im Haus. Sie machen sich an jeden Einkehrenden heran; sie reizen den Mann in ihm. Sie betören den müden Wanderer durch Gesang, bis er in ihre Arme sinkt.

Musik-Nr.: 08
Komponist: Alfonso X. "el Sabio"
Werk-Titel: A que por muy gran fremosura (Cantiga 384)
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Esther Lamandier (Gesang und Harfe)
Label: Astrée (LC ____)
AS 59
<Track __.> Gesamt-Zeit: 3:55
Archiv-Nummer: ____

Wenn man den mittelalterlichen Pilgerbüchern Glauben schenken darf, so müssen die spanischen Wirte regelrechte Halsabschneider gewesen sein. Aber man sollte dabei nicht übersehen, daß auch die Reisenden zu manchem Ärgernis Anlaß gaben. Nicht jeder, der auf dem "Camino de Santiago", der Pilgerstraße, unterwegs war, dachte ausschließlich an sein Seelenheil. Heinrich der Fromme, der die Ansicht vertrat, Schlemmen sei auf einer solchen Reise die beste Andacht und Buße, war noch der harmloseste. Ärger war da schon das Benehmen des Ritters Georg von Ehingen, der mit seinem Gefolge nach Santiago reiste, weil der angekündigte Kreuzzug ins Heilige Land auf unbestimmte Zeit verschoben worden war und er es als peinlich empfand, so frühzeitig wieder auf seine Burg zurückzukehren. Nach einigen Jahren Pilgerfahrt berichtet er dann zuhause stolz, daß weder die Mauren noch die Spanierinnen vor ihm sicher gewesen seien. – Und der Ritter Arnold von Harff aus Köln schließlich teilt in seinem Pilgerführer treuherzig das baskische Vokabular mit, wie der Reisende ohne Mühe eine Bettgefährtin für die Nacht finden konnte.

Auch in den Liedern ist immer wieder von Verfehlungen die Rede, von liederlichen Mönchen und diebischen Pilgern. Im folgenden Stück greifen der Hl. Jacobus und die Jungfrau Maria sogar persönlich ein, um einen Pilger wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuholen.

Musik-Nr.: 09
Komponist: Alfonso X. "el Sabio"
Werk-Titel: Non e gran causa (Cantiga 26)
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Studio der frühen Musik
Ltg.: Thomas Binkley
Label: EMI (LC ____)
1C 063 30 107
<Track xx.> Gesamt-Zeit: 4:35
Archiv-Nummer: ____

Santiago de Compostela – für das christliche Abendland war dieser Ort ein Kristallisationspunkt des Glaubens, denn bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts galt es, das Grab des Hl. Jacobus vor den heidnischen Mauren zu schützen. Von hier aus nahm die Wiedereroberung des islamischen Spaniens seinen Anfang. "Santiago mata moros" – "Sankt Jakob, der Maurenschlächter" war der Kampfruf der Kreuzritter, die in Spanien für den christlichen Glauben ins Feld zogen.

Um das Grab des Hl. Jacobus ranken sich eine Unzahl von Legenden: In einem gläsernen Schiff, von zwei Schwänen gezogen, soll seinerzeit der Leichnam von Jerusalem nach Spanien gelangt sein. Andere glauben, Engel hätten ihn durch die Lüfte hierhin gebracht. Hunderte von Jahren sei das Grab dann vergessen gewesen, bis im Jahre 812 ein frommer Eremit einen hellen Lichtschein und Engelchöre über einem Eichenwald bemerkte. Dort fand man das Marmor-Mausoleum, in dem der Hl. Jacobus damals bestattet worden war. – Wiederum andere glauben, Karl der Große habe das Grab entdeckt und dies als Aufforderung verstanden, Spanien von den Mauren zu befreien.

Die Widersprüche haben den mittelalterlichen Menschen anscheinend nicht gestört; auch nicht die Tatsache, daß neben Santiago de Compostela auch noch andere Städte behaupteten, die Gebeine des Hl. Jacobus zu besitzen. Erasmus von Rotterdam meinte in seiner spöttischen Art, daß der Hl. Jacobus mindestens vier Köpfe und ein Dutzend Arme gehabt haben müsse. Und Martin Luther schrieb in einer Predigt:

Wie Sant Jakob in Hispaniam 'kommen ist gen Compostel, da die groß' Wallfahrt hin ist, da haben wir nu nichts gewiß von dem. Etlich' sagen auch, er lieg' in Frankreich zu Talosa, aber sie seind ihrer Sach' ebenso nit gewiß. Drumb laß man die Knochen liegen und lauf nit dahin, dann man weißt nit, ob Sant Jakob oder ein toter Hund oder ein tot's Roß da liegt. Drumb laß predigen, wer da will, laß Ablaß Ablaß sein, laß reisen wer da will, bleib du daheim.

Allerdings solche Ermahnungen wie die des Herrn Luther der Verehrung für den Hl. Jacobus keinen sonderlichen Abbruch.

Musik-Nr.: 10
Komponist: anonym
Werk-Titel: Codex Calixtinus
Auswahl: Congaudeant catholici <Track 18.> 2:35
Interpreten: Ensemble für frühe Musik Augsburg
Label: Chr (LC ____)
CD 74 530
<Track 18.> Gesamt-Zeit: 2:35
Archiv-Nummer: ____

Man stelle sich das damalige Santiago de Compostela nicht als stillen, beschaulichen Ort vor. Die Stadt lebte – damals wie heute – vom Pilger-Tourismus. Vor der Kathedrale wurden die als Pilgerzeichen und Talismane begehrten Jakobsmuscheln für teures Geld angeboten; einige Kilometer weiter am Strand von La Coruna gab es sie umsonst, man brauchte sich nur zu bücken.

In Santiago herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Zum Fest des Hl. Jacobus, am 25. Juli, waren die Gasthäuser dermaßen überfüllt, daß der Rat der Stadt anordnete, kein Pilger dürfe sich länger als drei Tage in Santiago aufhalten. Die Kathedrale blieb die ganze Nacht über geöffnet – als Schlaf und Gebetsstätte für die Neuankömmlinge, die keine Herberge mehr gefunden hatten.

Nicht immer ging es dabei andächtig und friedlich zu. So stritten sich im Jahre 1296 – am Vorabend des Namensfestes – Deutsche und Iren um das Vorrecht, wer nun am Grab des Hl. Jacobus Nachtwache halten dürfe. Es gab mehrere Tote, und die Kathedrale mußte im Eilverfahren mit einer Mischung aus Weihwasser, Wein und Asche neu geweiht werden – ein Rezept, das Papst Innozenz III. extra für solche Fälle empfohlen hatte.

Die meisten Pilgerberichte enden hier in Santiago – dabei war erst die Hälfte der Reise geschafft, und der Rückweg war nicht weniger beschwerlich. Ein gutes halbes Jahr mußte der Pilger für seine Wanderschaft rechnen; ein Familienvater aus dem holländischen Mecheln brachte es gar auf acht Jahre. Ob sich in der Rückschau die Strapazen gelohnt hatten, mußte jeder für sich selber entscheiden.

Musik-Nr.: 11
Komponist: liturgisch
Werk-Titel: Nostra phalans plaudat leta
Auswahl: xx <Track xx.> __:__
Interpreten: Studio der frühen Musik
Ltg.: Thomas Binkley
Label: EMI (LC ____)
1C 063 30 108
<Track __.> Gesamt-Zeit: 2:15
Archiv-Nummer: ____