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Das Busch-Quartett in Aufnahmen aus den 30er Jahren

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 10.6.1990 – "Historische Aufnahmen")

Exposé

Das Busch-Quartett galt in den Zwanziger und Dreißiger Jahren als das führende Streichquartett-Ensemble. Gegründet wurde 1919 von dem Geiger Adolf Busch, der auch zeitlebens Primarius und treibende Kraft des Ensembles bliebt. Trotz einiger Umbesetzungen (1930 trat dann Buschs Bruder Hermann als Cellist an die Stelle von Paul Grümmer) änderte sich in all den Jahren an der klanglichen Konzeption wenig: Das Busch-Quartett war immer bestrebt, die Vorherrschaft der Ersten Violine dem Gesamtklang unterzuordnen – in der damaligen Zeit ein ungewöhnlich moderner Anspruch. 1933 mußten Adolf und Hermann Busch unter dem Druck des Nazi-Regimes Deutschland verlassen. Das Quartett konnte nur noch im Ausland auftreten; in England und Amerika entstanden auch die legendären Einspielungen der Beethoven- und Schubert-Quartette. 1945, nach dem Tod des Viola-Spielers Karl Doktor, beschlossen die übrigen Mitgleider, das Ensemble aufzulösen.

Sendemanuskript
Musik-Nr.: 01
Komponist: Franz Schubert
Werk-Titel: Streichquartett d-moll, D 810
("Der Tod und das Mädchen")
Auswahl: 3. Satz (Anfang) <Track 3.> 1:20
Interpreten: Busch-Quartett
Label: EMI (LC 0110)
CDH 7 69795 2
<Track 3.> Gesamt-Zeit: 1:20
Archiv-Nummer: ____
Technik: Musik ausblenden bis 1:21
Text über Musik blenden

Die Meinungen damals in den 20er und 30er Jahren waren so eindeutig nicht, wenn es um den Interpretations-Stil des Busch-Quartetts ging. Mittlerweile werden die Aufnahmen des Busch-Quartetts gerne als "legendär" beschrieben, und aus unserer heutigen Sicht ist eine solche Einschätzung auch durchaus berechtigt. Aber damals stieß das Busch-Quartett bei vielen Musikfreunden auf Ablehnung. Manch ein Rezensent empörte über das "wüste Chaos, das die Ensemble-Mitglieder auf dem Konzertpodium veranstalten", und in vielen Kritiken ist gar von "musikalischer Anarchie" die Rede.

An der Programm-Zusammenstellung kann es nicht gelegen haben: Das Busch-Quartett beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem traditionellen Quartett-Repertoire – mit Beethoven, Brahms und Schubert, bisweilen auch mit Mozart und Haydn. Irritierend war für damalige Ohren vielmehr das "Wie" – die Art der Interpretation.

Zwar spielte Adolf Busch, der Primarius und Namensgeber des Quartetts, formal "die erste Geige", aber die traditionelle Musizierhaltung, wonach alle anderen Stimmen sich der vermeintlichen Hauptstimme unterzuordnen haben und nur Begleitfunktion besitzen, diese strikte Hierarchie war aufgehoben. Nicht die "schöne" Melodie steht im Vordergrund; das Busch-Quartett wollte vielmehr das dichte Klang-Gewebe von vier eigenständigen Stimmen hörbar werden lassen, um damit die Schönheit der musikalischen Struktur zu erhellen. Die Musiker setzten in Klang um, was Goethe hundert Jahre zuvor gleichsam als die Ästhetik des Quartett-Spiels formuliert hatte:

"Man hört vier vernünftige Leute sich unterhalten, glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennenzulernen."

Die "vier vernünftigen Leute" – das waren im Falle des Busch-Quartetts: Adolf Busch und Gösta Andreasson (Violine), Karl Doktor (Viola) und Hermann Busch (Violoncello). Hier mit dem ersten Satz aus dem Streichquartett op. 127 von Ludwig van Beethoven in einer Aufnahme vom Oktober 1937.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Ludwig van Beethoven
Werk-Titel: Streichquartett Nr. 12 Es-Dur, op. 127
Auswahl: 1. Satz <Track xx.> 6:50
Interpreten: Busch-Quartett
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track xx.> Gesamt-Zeit: 6:50
Archiv-Nummer: ____

Der Primarius Adolf Busch wurde 1891 im westfälischen Siegen geboren. Die Buschs waren eine musikalische Familie: Der Vater, aus einfachen ländlichen Verhältnissen, lernte im Selbst-Studium Geige spielen und verdiente sich später seinen Lebensunterhalt als Geigenbauer. Zusammen mit seinen Kindern musizierte er am Wochenende in Wirtshäusern und auf Hochzeiten.

Es ist dieser ungezwungene, natürliche Umgang mit der Musik, der prägend wurde für Adolf Busch und seinen älteren Bruder Fritz, den späteren Dirigenten. Nach seiner Ausbildung bei dem Geiger Bram Eldering wurde Adolf Busch 1912, mit gerade 21 Jahren, Konzertmeister des Konzertverein-Orchesters in Wien. Und hier fand sich auch die erste Besetzung des Busch-Quartetts zusammen: mit dem Bratschisten Karl Doktor, der bis zu seinem Tode im Jahre 1945 mitwirkte, dem Cellisten Paul Grümmer und Fritz Rothschild als zweitem Geiger.

Die Besetzung, mit der die legendären Schallplatten-Einspielungen entstanden, ist ein Ergebnis der politischen Entwicklung: Als das Leben unter dem Nazi-Regime immer unerträglicher wurde, emigrierten die Brüder Busch und Karl Doktor 1933 in die Schweiz, wo sie den schwedischen Geiger Gösta Andreasson kennenlernten. Es folgten Konzertreisen ins europäische Ausland und nach Amerika; nur um Deutschland mußte das Busch-Quartett einen Bogen machen. 1937 dann, bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, ließ sich das Ensemble endgültig in den Vereinigten Staaten nieder.

In Deutschland ist das Busch-Quartett nie mehr aufgetreten. Wohl gab es nach Kriegsende Überlegungen, in Dresden, Berlin und Köln, also in den Städten, die am schlimmsten vom Krieg betroffen waren, die Beethoven-Quartette aufzuführen. Aber als im Sommer '45 der Bratschist Karl Doktor an Leukämie erkrankte und wenige Wochen später starb, beschlossen die übrigen Mitglieder, das Ensemble aufzulösen.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Franz Schubert
Werk-Titel: Streichquartett d-moll, D 810
("Der Tod und das Mädchen")
Auswahl: 1. Satz
2. Satz
<Track 1.>
<Track 2.>
11:30
 9:55
Interpreten: Busch-Quartett
Label: EMI (LC 0110)
CDH 7 69795 2
<Track 1.2.> Gesamt-Zeit: 21:25
Archiv-Nummer: ____