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Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung

"Ein Mädchen oder Weibchen…"

Frauen um Mozart

Dieser Beitrag ist entstanden als
Sendemanuskript für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 8.2.1988 – Opernkonzert)

Musik-Nr.: 01
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Zauberflöte
Auswahl: Arie des Papageno (2. Akt, Nr. 20)
"Ein Mädchen oder Weibchen"
<Track 8.> 4:20
Interpreten: Mikael Melbye (Papageno)
Staatskapelle Dresden
Ltg.: Sir Colin Davis
Label: Philips (LC 0305)
411 462-2
<Track 8.> Gesamt-Zeit: 4:20
Archiv-Nummer: ____
Mon très cher Père, Allerliebester Papa!

Oh wie gerne hätte ich Ihnen schon längst mein Herz erÖffnet, aber der Vorwurf, weichen Sie mir hätten machen kÖnnen, auf so was zur Unzeit zu denken, hielt mich bisher davon ab. – Heiraten! – Sie erschröcken vor diesem Gedanken? Ich bitte Sie, liebster, bester Vatter, hören Sie mich an: Die Natur spricht in mir so laut wie in jedem andern jungen Mann. Aber ich habe zu viel ehrliche Gesinnung, als daß ich ein unschuldiges Mädchen anführen könnte; und zu viel Grauen und Ekel vor die Krankheiten, als daß ich mich mit Huren herumbalgen könnte. Dahero kann ich auch schwören, daß ich mit keiner Frauens-Person auf diese Art etwas zu tun gehabt habe.

Mein Temperament aber, weiches mehr zum ruhigen und häuslichen Leben geneigt ist, kann mir nichts nötigeres denken als eine Frau: Ich, der von Jugend auf niemalen gewohnt war, auf meine Sachen (was Wäsche, Kleidung und anderes anbelangt) acht zu haben. Ich versichere Sie, was ich nicht Unnützes öfters ausgebe, weil ich auf nichts acht habe. Ich bin sicher, daß ich mit einer Frau besser auskommen werde als so. Wie viele unnÜtze Ausgaben fallen nicht weg! – Man bekommt zwar wieder andere dafür, das ist wahr; allein – man kann sich darauf richten, mit einem Wort: Man führt ein ordentliches Leben. Ein lediger Mensch lebt in meinen Augen nur halb. Ich hab' es genug überlegt und bedacht.

Mit diesem Brief vom 15. Dezember 1781 teilte Mozart seinem Vater erstmals von seinen Heiratsplänen mit. Es ist in langsames, vorsichtiges Herantasten an ein heißes Eisen, denn Mozart konnte sich ausrechnen, daß sein Vater nicht gerade erfreut sein würde über diesen Entschluß. Die Auserwählte war nämlich ausgerechnet Constanze Weber, die jüngere Schwester jener Aloysia Weber, in die Mozart sich damals in Mannheim so unsterblich verliebt hatte.

Um die väterlichen Einwände gegen Konstanze von vornherein zu entkräften, preist Mozart ihren Charakter und ihre Tüchtigkeit in den höchsten Tönen:

In keiner Familie habe ich bisher eine solche Ungleichheit der Gemüter angetroffen wie in dieser: Die älteste Tochter ist eine faule und grobe Person, die es dick hinter den Ohren hat; sie ist eine falsche, schlecht denkende Kokotte. Meine liebe, gute Constanze aber nimmt sich um alles im Hause an und kann ihrer Mutter doch nichts recht tun. Sie ist die Märtyrerin unter den Weber'schen Töchtern und eben deswegen vielleicht die gutherzigste, geschickteste und mit einem Wort beste! Sie ist nicht häßlich, aber auch nichts weniger als schön. Ihre ganze Schönheit besteht in zwei kleinen schwarzen Augen und in einem schönen Wachstum. Sie hat keinen Witz, aber gesunden Menschenverstand genug, um ihre Pflichten als eine Frau und Mutter erfüllen zu können. Sie ist nicht zum Aufwand geneigt – im Gegenteil; denn das meiste, was ein Frauenzimmer braucht, kann sie sich selbst machen. Und sie frisiert sich auch alle Tage selbst, versteht die Hauswirtschaft – und hat das beste Herz von der Welt. – Ich liebe sie, und sie liebt mich von Herzen! – Sagen Sie mir, ob ich mir eine bessere Frau wünschen könnte?
Musik-Nr.: 02
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Entführung aus dem Serail
Auswahl: Arie des Belmonte (l. Akt)
"Konstanze! Dich wiederzusehen! ... 0 wie ängstlich"
<Track 5.> 5:05
Interpreten: Gösta Winbergh (Belmonte)
Wiener Philharmoniker
Ltg.: Sir Georg Solti
Label: Decca (LC 0171)
417 403-2
<Track 5.> Gesamt-Zeit: 5:05
Archiv-Nummer: ____

Mozart und die Frauen: ein Thema, bei dem der Spekulation Tür und Tor geöffnet sind. Denn – auch wenn dies die Biographen nicht immer wahrhaben wollen: Von Mozarts Seelenleben, von dem, was er dachte und was er fühlte, wissen wir recht wenig. So leidenschaftlich und emotional seine Kompositionen auch sein mögen, es ist keine autobiographische "Bekenntnis-Musik", wie man sie von den romantischen Komponisten kennt. Mozarts Opern (wie auch seine Instrumentalwerke) sind "absolute" Musik in dem Sinne, daß sie auf den Gemütszustand und auf die Stimmungslage ihres Urhebers keinerlei Rückschlüsse zulassen. So ergänzen sich denn Musik und Briefe gegenseitig, allerdings nicht als autobiographische Belege, sondern eher als beiläufige, unbeabsichtigte Illustration.

Denn auch in seinen Briefen versteckt Mozart sich mehr, als daß er sich offenbart – vor allem in den Briefen, die an den Vater Leopold gerichtet sind. Mozart weiß vortrefflich die Personen zu charakterisieren, denen er begegnet; immer wieder zeigt er seine Vorliebe fÜr burleske Situationskomik – seine eigene Person aber wird dabei kaum greifbar. Und so ist auch das Thema "Mozart und die Frauen" überschattet von dem zwiespältigen Verhältnis zwischen Mozart und seinem Vater.

Der erste Bruch, der Verlust der kindlichen Unbefangenheit, fällt in den November 1777, als der damals 21jährige Mozart aus Mannheim an seinen Vater nach Salzburg schreibt:

Ich, Johannes Chrysostomus Amadeus Wolfgangus Sigismundus Mozart bekenne mich schuldig, daß ich vorgestern und gestern, auch schon öfters, erst bey der Nacht um zwölf Uhr nach Hause gekommen bin, und daß ich von zehn Uhr an bis zu der benenneten Stunde in Gegenwart und Gesellschaft des Herrn Cannabich, seiner Gemahlin und Tochter oft und – nicht schwer, sondern ganz leichtweg gereimet habe, und zwar lauter Sauereien – mit Gedanken, Worten und – aber nicht mit Werken. Ich hätte mich aber nicht so gottlos aufgeführt, wenn nicht die Rädelsführerin, nämlich die Mademoiselle Cannabich, mich gar so sehr darzu animieret und aufgehetzt hätte. Und ich muß bekennen, daß ich ordentlich Freude daran hatte. Ich bekenne alle diese meine Sünden, in der Hoffnung, sie öfters bekennen zu dürfen
Musik-Nr.: 03
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Entführung aus dem Serail
Auswahl: Duett Pedrillo – Osmin (2. Akt)
"Vivat Bacchus! Bacchus lebe!"
<Track 3.> 1:55
Interpreten: Heinz Zednik (Pedrillo)
Martti Tavela (Osmin)
Wiener Philharmoniker
Ltg.: Sir Georg Solti.
Label: Dec (LC 0171)
417 404-2
<Track 3.> Gesamt-Zeit: 1:55
Archiv-Nummer: ____

Diese übermütige Beichte war für Leopold Mozart zuviel, zumal er seit längerem spürte, wie sein Sohn in Mannheim zusehends dem väterlichen Einfluß entglitt. Und so bekam Wolfgang aus Salzburg ein Donnerwetter zu hören, das auf ihn wohl wie eine kalte Dusche gewirkt hat:

Mon très cher Fils, lieber Sohn!

Ich weiß in der Tat nicht, was ich schreiben soll. So eine Reise ist kein Spaß; man muß andere wichtige Gedanken im Kopf haben als Narren-Possen. Man muß hundert Sachen vorauszusehen bemüht sein, sonst sitzt man im Dreck – ohne Geld. Und wo kein Geld ist, ist auch kein Freund mehr, selbst wenn Du hundert Lektionen umsonst gibst und alle Nächte (statt wichtigeren Dingen) von zehn Uhr bis zwölf Uhr Sauereien machst.

Und Mozart zieht den Kopf ein. Wie er merkt, daß er den Bogen diesmal überspannt hat und sein Vater mit dem Lebenswandel nicht einverstanden ist, beginnt er zu taktieren: Von nun an wird er in seinen Briefen dementieren und verschweigen; er beschönigt; mildert ab, wenn es prekär wird; und übertreibt, wo es ihm nützlich erscheint. Und so folgt denn nach dem Salzburger Donnerwetter der erste Brief, wo Mozart versucht, seinen Vater zu beschwichtigen:

Ich wünsche Ihnen, allerliebster Papa, ein recht glückseliges Neues Jahr. Ich schreibe dieses itzt um elf Uhr nachts, weil ich sonst keine Zeit habe. Des Tags komponiere ich und gebe Lektionen, abends gehe ich zum Cannabich und lehre die Mademoiselle Rose, seine Tochter. Sie ist 15 Jahr alt und ein sehr schönes artiges Mädel. Sie hat für ihr Alter viel Vernunft und gesetztes Wesen, sie ist serios und redet nicht viel. Aber was sie redet, geschieht mit Anmut und Freundlichkeit. Dort bleibe ich beim Nachtessen, dann wird diskutiert – oder bisweilen gespielt. Da ziehe ich aber allzeit ein Buch aus meiner Tasche und lese – wie ich es zu Salzburg zu machen pflegte.

So geht das nun immer weiter, Brief um Brief. Einige Wochen später, als Mozart die Familie Weber samt der Tochter Aloysia kennenlernt, heißt es:

Habe ich schon von Herrn Weber und seiner Tochter geschrieben? – Sie singt halt recht vortrefflich und hat eine schöne, reine Stimme. Es geht ihr nichts ab als die Aktion, dann kann sie auf jedem Theater die Prima Donna machen. Sie ist imstande, sich selbst zu lehren, sie accompagniert sich recht gut und spielt auch passabel das Pianoforte. Sie ist erst 16 Jahre alt, und das glücklichste für sie in Mannheim ist, daß sie von allen ehrlichen und gut denkenden Leuten gelobt wird. Ihr Vater ist ein grundehrlicher teutscher Mann, der seine Kinder gut erzieht. Und das ist eben die Ursach, warum das Mädel hier verfolgt wird. – Ich habe diese bedrückte Familie so lieb, daß ich nichts mehr wünsche, als daß ich sie glücklich machen könnte.
Musik-Nr.: 04
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Zauberflöte
Auswahl: Arie des Tamino (l. Akt, Nr. 3)
"Dies Bildnis ist bezaubernd schön"
<Track 5.> 3:55
Interpreten: Peter Schreier (Tamino)
Staatskapelle Dresden
Ltg.: Sir Colin Davis
Label: Philips (LC 0305)
411 460-2
<Track 5.> Gesamt-Zeit: 3:55
Archiv-Nummer: ____

Aber Leopold Mozart kennt seinen Sohn zu gut, als das er den Lobeshymnen auf die Familie Weber Glauben schenkt. Und so versucht er mit Vorhaltungen und guten Worten, wieder Einfluß auf Wolfgang zu gewinnen:

Mein lieber Sohn!

Deinen Brief habe ich mit Verwunderung und Schröcken durchgelesen. Ich fang an, ihn zu beantworten, indem ich die ganze Nacht nicht hab schlafen können und so matt bin, daß ich ganz langsam Wort für Wort schreiben und ihn nach und nach bis morgen zu Ende bringen muß. Großer, gütiger Gott! Die für mich vergnügten Augenblicke sind vorbei, wo Du als Kind und Knab nicht schlafen gingst, ohne auf dem Sessel stehend mir das Nasenspitzel zu küssen und mir zu sagen, daß, wenn ich alt sein werde, Du mich in einem Kapsel, wo ein Glas vor, vor aller Luft bewahren wollest, um mich immer bei Dir und in Ehren zu halten.

Es kommt nur auf Deine Vernunft und Lebensart an, ob Du als ein berühmter Kapellmeister sterben willst oder als gemeiner Tonkünstler, von einem Weibsbild eingeschläfert in einer Stube voll notleidender Kinder auf einem Strohsack liegend?

In München warst Du ganz erstaunlich für die kleine Sängerin des Theaters eingenommen und wünschtest nichts mehr, als dem Teutschen Theater aufzuhelfen. – In Augsburg hast Du auch Deine kleinen Szenen gehabt und dich mit meines Bruders Tochter lustig gemacht. In Wallerstein machtest Du den Herrschaften Tausend Späßen, so daß man Dich als einen närrischen Menschen anpries. In Mannheim nun wurde die Mademoiselle Tochter des Herrn Cannabich mit Lobeserhebungen überhäuft, kurz: Diese war nun die Favorit-Person. Kaum kamst Du in die Bekanntschaft des Herrn Wendling, so war dieser der ehrlichste Freund. Und nun auf einmal ist die Familie Weber die redlichste und christlichste Familie, und die Tochter ist die Hauptperson in dem sich anbahnenden Trauerspiel zwischen dieser Familie und deiner eigenen.

In die Liste der Amouren seines Sohnes hätte Leopold Mozart auch noch die Tochter eines gewissen Herrn Mundbecken aufnehmen kÖnnen, die aus verschmähter Liebe schließlich sogar ins Kloster ging. – Mozarts Kommentar zu den Vorwürfen seines Vaters, allerdings einige Jahre später:

Wenn ich mein Lebtag nicht aufs Heiraten gedacht habe, so ist es gewiß itzt. Gott hat mir mein Talent nicht gegeben, damit ich es an eine Frau hänge und dann mein junges Leben in Untätigkeit dahin lebe. Ich fange erst an zu leben, und soll es mir selbst verbittern? Ich habe gewiß nichts gegen den Ehestand, aber für mich wäre er dermalen ein Übel. – Und also, sonst weiter nichts. Wenn ich all die heiraten müßte, mit denen ich gespaßt habe, so müßte ich leicht 200 Frauen haben.
Musik-Nr.: 05
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Don Giovanni
Auswahl: Arie des Leporello (l. Akt, Szene 5)
"Madamina, il catalogo è questo"
<CD 1, Tr. 9.> 5:40
Interpreten: Jose van Dam
Orchester des Théâtre National de l'opera, Paris
Ltg.: Lorin Maazel
Label: CBS (LC 0149)
M3K 35 192
<CD 1, Tr. 9.> Gesamt-Zeit: 5:40
Archiv-Nummer: ____

Was gerne verschwiegen wird: daß Mozart auch zynisch sein konnte, verletzend zynisch. Ein Glück nur, daß er diese Eigenschaft ausschließlich in den Briefen an seinen Vater auslebte. So goß er Häme und Spott vor allem über jene Damen, die von der Natur nur unzureichend mit weiblichen Reizen ausgestattet waren. Zu ihnen muß wohl auch Josephine Auernhammer gezählt haben, die eine von Mozarts begabtesten Schülerinnen war und mit der er gerne auch in öffentlichen Konzerten auftrat. Über besagte Josephine Auernhammer schrieb er seinem Vater:

Wenn ein Maler den Teufel recht natürlich malen wollte, so müßte er zu ihrem Gesicht Zuflucht nehmen. Sie ist dick wie eine Bauern-Dirne, schwitzt all so, daß man speien möchte, und geht so bloß, daß man ordentlich lesen kann: "Ich bitte Euch, schaut hierher!" – Das ist wahr: Zu sehen ist genug, daß man blind werden möchte, aber – man ist auf den ganzen Tag gestraft genugt, wenn sich unglückseligerweise die Augen darauf wenden – so abscheulich, schmutzig und grauslich! Pfui Teufel! Aber sie ist serieusement in mich verliebt. In der ganzen Stadt sagt man schon, daß wir uns heiraten, und man verwundert sich nur über mich, daß ich so ein Gesicht nehmen mag.
Musik-Nr.: 06
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Zauberflöte
Auswahl: Begenung Monostatos – Papageno (l. Akt, Nr. 6)
"Das ist der Teufel sicherlich"
<Track 10.> 0:35
Interpreten: Robert Tear (Monostatos)
Mikael Melbye (Papageno)
Staatskapelle Dresden
Ltg.: Sir Colin Davis
Label: Philips (LC 0305)
411 460-2
<Track 10.> Gesamt-Zeit: 0:35
Archiv-Nummer: ____
Technik: MUSIK einblenden bei 1:25

Die angeblichen Annäherungsversuche seiner Schülerin hat Mozart mit Sicherheit erfunden, denn Josephine Auernhammer war damals schon verlobt – mit einem Wiener Advokatsschreiber. Und so fragt sich, ob auch das Übrige, was Mozart da schreibt, überhaupt der Wahrheit entspricht.

Aber vielleicht kam es Mozart darauf auch gar nicht an. Wichtig waren ihm mitunter nur die inhaltlichen und sprachlichen Pointen – wie zum Beispiel in seinen Briefen an seine Cousine Anna Maria Thekla in Augsburg, das berühmte Bäsle. – Aus diesen "Bäsle-Briefen", die Mozart in der Zeit zwischen 1777 und 1778 geschrieben hat, läßt sich alles und nichts herauslesen; sie bieten fÜr jeden Interpretations-Ansatz (und sei er noch so abwegig) genügend Material. Aber selbst, wenn man dies alles außer Acht laßt, so fasziniert der Ton, der hier angeschlagen wird: die Art, wie Mozart den Brief zum Dialog umfunktioniert; wie er mit scheinbar sinnlosen Worten und Klängen spielt, bis sich kunstvolle Satz-Arabesken bilden, die nicht enden wollen:

Allerliebstes Bäsle – Häsle!

Ich habe dero wertes Schreiben richtig erhalten / falten, und daraus ersehen / drehen, daß der Herr Vetter / Retter, die Frau Bas / Has und Sie / wie? recht wohl auf sind /Kind. Wir sind auch Gott Lob recht gesund / Hund. Ich hoffe, Sie werden auch meinen Brief / trief, welchen ich Ihnen aus Mannheim geschrieben, erhalten haben / schaben.

Nun aber etwas Gescheudes. Mir ist sehr leid, daß der Herr Prälat / Salat schon wieder vom Schlag getroffen / soffen worden ist / Mist. Doch hoffe ich, mit der Hilfe Gottes / Spottes wird es von keinen Folgen sein / Schwein.

Sie schreiben mir / Stier noch ferners, ja, Sie lassen sich heraus, Sie geben sich bloß, Sie lassen sich verlauten, Sie machen mir zu wissen, Sie erklären sich, Sie deuten mir an, Sie benachrichtigen mir, Sie machen mir kund, Sie geben deutlich am Tage, Sie verlangen, Sie begehren, Sie wünschen, Sie wollen, Sie mögen, Sie befehlen, daß ich Ihnen auch mein Portrait schicken soll / schroll. Eh bien, ich werde es Ihnen gewiß schicken / schlicken.

Nun doch was recht Gescheutes: Ich bitte Sie (warum nicht?), daß Sie ein Kompliment von mir an die zwei Mademoiselles Freysinger schreiben (warum nicht?). Ich bitte nämlich die beiden Mademoiselles halt recht um Verzeihung (warum nicht? – Warum sollte ich sie nicht um Verzeihung bitten? – Curiös! – Ich wüßte nicht, warum nicht?) – ich bitte sie halt recht sehr um Verzeihung, daß ich die versprochene Sonata bishero noch nicht geschickt habe. Aber ich werde sie, sobald es mir möglich ist, übersenden. (Warum eigentlich nicht? Was? – Warum sollte ich sie nicht schicken? – Curiös! Ich wüßte nicht, warum nicht?) Nun also, diesen Gefallen werden Sie mir doch tun?

Vergessen Sie auch nicht, von mir ein Kompliment an Papa und Mama zu entrichten. Denn das ist grob gefehlt, wenn man Vatter und Mutter vergessen tut – sein müssen lassen haben. Nun leben Sie recht wohl, ich küsse Sie zehntausend Mal und bin wie allzeit der alte junge Sauschwanz

Wolfgang Amadé Rosenkranz.
Musik-Nr.: 07
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Zauberflöte
Auswahl: Duett Papageno - Papagena (Finale 2. Akt)
Pa-pa-pa-pagena
<Track 13.> 2:35
Interpreten: Mikael Melby (Papageno)
Maria Venuti (Papagena)
Staatskapelle Dresden
Ltg.: Sir Colin Davis
Label: Philips (LC 0305)
411 462-2
<Track 13.> Gesamt-Zeit: 2:35
Archiv-Nummer: ____
Technik: MUSIK einblenden bei 5:31

Über keine Frau ist in der Musikgeschichte so abfällig geschrieben worden wie über Konstanze Mozart: das dumme und leichtlebige Weibchen, das sich dem Genius an den Hals geworfen hat; die untreue, verworfene Gattin, die sich mit anderen Männern in den Kurorten um Wien amüsierte, während Mozart um seine künstlerische Existenz rang; die fröhliche und geschäftstüchtige Witwe, die aus dem Handel mit Mozarts Manuskripten Kapital schlägt, aber in 15 Jahren kein einziges Mal Zeit findet, sein Grab aufzusuchen.

Was die Mozart-Biographen bei ihren Schmähtiraden gerne vergessen zu erwähnen, ist der Umstand, daß Mozart seine Frau heiß und innig liebte. Noch nach acht Jahren Ehe umwirbt er sie wie am ersten Tag, die Briefe, die er während seiner Reise an sie schreibt, sind leidenschaftliche LiebesschwÜre, nicht ohne einen Hauch von Frivolität:

Liebstes, bestes, teuerstes Weibchen!

Donnerstag reise ich nach Dresden ab, wo ich Übernachten werde. Den 1. Juni werde ich in Prag schlafen, und den vierten – den vierten? – Bei meinem liebsten Weiberl! – Richte Dein liebstes, schönstes Nest recht sauber her, denn mein Büberl verdient es in der Tat – er hat sich recht gut aufgeführt. Stelle Dir den Spitzbuben vor. Dieweil ich so schreibe, schleicht er sich auf den Tisch. Ich aber nicht faul, geb' ihm einen derben Nasenstüber. Jetzt brennt auch der Schlingel noch mehr und läßt sich fast nicht bändigen.

Nun adieu – ich küsse Dich Millionen mal und bin ewig Dein getreuester Gatte – Wolfgang Amadé Mozart.

Der Ton, den Mozart hier anschlägt, erinnert an die Briefe, die er zehn Jahre zuvor an sein Bäsle in Augsburg geschrieben hat. Aber der Schalk in den Brief an Konstanze kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß Mozart zusehends eifersüchtiger wird. – Mit Grund? Wir wissen es nicht! Jedenfalls beschwört er seine Constanze immer wieder, sie möge sich nicht mit den Leuten gemein machen. Immer wieder ergeht er sich in ominösen Andeutungen über boshafte Sottisen und über das Gerede der Leute:

Allerliebstes Weibchen!

Ich will ganz aufrichtig mit Dir sprechen: Du hast gar keine Ursach', traurig zu sein. Du hast einen Mann, der Dich liebt; der Dir alles, was er nur im Stande ist, tut. Mich freut es ja, wenn Du lustig bist gewiß; nur wünschte ich, daß Du Dich bisweilen nicht so gemein machen möchtest. Ein Frauenzimmer muß sich immer in Respekt erhalten, sonst kömmt sie in das Gerede der Leute.

Meine Liebe! – Verzeih mir, daß ich so aufrichtig bin. Allein, meine Ruhe erheischt es sowohl als unsre beiderseitige Glückseligkeit. Erinn're Dich nur, daß Du mir einmal selbst eingestanden hast, daß Du zu nachgebend seist. Du kennst die Folgen davon! – Erinn're Dich auch des Versprechens, welches Du mir tatest! – 0 Gott! – Versuche es nur, meine Liebe! – quäle mich nicht mit unnötiger Eifersucht! Habe Vertrauen in meine Liebe. Du hast doch Beweise davon! – Und Du wirst sehen, wie vergnügt wir sein werden. Glaube sicher: Nur das kluge Betragen einer Frau kann dem Manne Fesseln anlegen – Adieu! Morgen küsse ich Dich von Herzen Mozart.
Musik-Nr.: 08a
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Die Entführung aus dem Serail
Auswahl: Finale 2. Akt (Quartett Nr. 16)
"Ach Belmonte! ach mein Leben"
<Track 5.> 10:40
Interpreten: Edita Gruberova (Konstanze)
Kathleen Battle (Blonde)
Gösta Winbergh (Belmonte)
Heinz Zednik (Pedrillo)
Wiener Philharmoniker
Ltg.: Sir Georg Solti
Label: Dec (LC 0171)
417 404-2
<Track 5.> Gesamt-Zeit: 10:40
Archiv-Nummer: ____

Alternative MUSIK-Auswahl:

Musik-Nr.: 08b
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Werk-Titel: Così fan tutte
Auswahl: Finale 2. Akt – ab:
"Ah signor son rea di morte" (Part. S. 412)
<Track 11.> 5:20
Interpreten: Rachel Yakar (Fiordiligi)
Alicia Nafé (Dorabella)
Gösta Winbergh (Ferrando)
Tom Krause (Guglielmo)
Georgine Resick (Despina)
Carlos Feller (Don Alfonso)
Orchester des Schloßtheaters Drottningholm
Ltg.: Arnold Östmann
Label: Dec (LC 0171)
414 319-2
<Track 11.> Gesamt-Zeit: 5:20
Archiv-Nummer: ____
Technik: MUSIK einblenden ab 3:03