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Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung

Wolfgang Amadeus Mozart:
Div. Kammermusik

Dieser Beitrag ist entstanden als
CD-Booklet-Text für Berlin Classics (A 9404).

Quintett für Bläser und Klavier in Es-Dur, KV 452

Am 10. April 1784 schrieb Wolfgang Amadeus Mozart an seinen Vater in Salzburg:

Ich habe zwei große Concerten geschrieben und dann ein Quintett, welches außerordentlichen Beyfall erhalten; ich selbst halte es für das beste was ich noch in meinem Leben geschrieben habe [...] Ich wollte wünschen sie hätten es hören können; – und wie schön es ausgeführt wurde!

Die Konzertaufführung, auf die Mozart sich hier bezieht, war die "musicalische Academie" (wie man damals die öffentlichen Konzertveranstaltungen zu nennen pflegte), die am 1. April 1784 im Wiener Burgtheater stattgefunden hatte, und das Quintett, von dem hier die Rede ist, ist jenes in Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott (KV 452).

Das Werk gibt einige Rätsel auf: Es ist das erste und einzige Mal, daß Mozart für diese ungewöhnliche Besetzung schrieb. Über den eigentlichen Beweggrund und die Ausführenden der ersten öffentlichen Darbietungen wissen wir nichts. War es eine Auftragsarbeit oder eine freundschaftliche Geste Mozarts für ein nicht näher zu identifizierendes Bläser-Ensemble? Und saß Mozart wohlmöglich selbst am Pianoforte, um den "außerordentlichen Beyfall" zu gewährleisten? Immerhin – zehn Wochen später führte Mozart es erneut auf anläßlich einer Akademie des Musikagenten Ployer in Döbling. Unter ökonomischen Gesichtspunkten jedenfalls lohnte sich die Arbeit an einer solchen Komposition nicht unbedingt – dafür gab es zu wenig Nachfrage nach derartigen Besetzungen. So erschien denn auch die erste gedruckte Ausgabe erst 1799, also acht Jahre nach Mozarts Tod.

Das Quintett KV 452 entstand im März 1784 während einer Phase intensiver kompositorischer Aktivität. In den Wochen zuvor hatte Mozart die beiden großen Klavierkonzerte KV 450 und 451 geschrieben, wenige Zeit später sollte noch ein weiteres Konzert folgen. Zudem war Mozart in Wien ein gefragter Klavierlehrer und trat fast täglich als Pianist auf:

[...] der ganze vormittag ist den scholaren gewidmet. – und abends hab ich fast alle tage zu spiellen.

Trotz der ungewöhnlichen Besetzung des Quintetts läßt Mozart keine Unsicherheiten hinsichtlich der kammermusikalischen Klangbalance oder Formgestaltung erkennen. Jedem Mitwirkenden wird Gelegenheit gegeben, sich zu profilieren; jedes Instrument hat gleichermaßen teil am melodischen Geschehen und an der thematischen Arbeit. Aus den verschiedenen Klangkombinationen entwickelt Mozart einen schier unerschöpflichen Farbenreichtum. Allenfalls der Klavierpart schwingt sich gelegentlich zu solistischem Eigenleben auf, um sich jedoch sofort wieder in den kammermusikalisch-gemeinschafltichen Gestus einzuordnen. In Mozarts Schaffen ist dieses Quintett einzigartig geblieben, auch wenn wir die Einschätzung des Komponisten, es sei "das beste was ich noch in meinem Leben geschrieben habe", aus der Gesamtschau seines Oeuvres nicht unbedingt teilen mögen.

Trio für Klavier, Klarinette und Viola in Es-Dur, KV 498

Legenden halten sich mitunter hartnäckig, auch wenn (oder vielleicht gerade weil) sie jeder Grundlage entbehren. Das Trio für Klavier, Klarinette und Viola in Es-Dur, KV 498 soll Mozart während des abendlichen "Kegelschiebens" komponiert haben. Denkbar wäre es schon. Bei den wenige Tage zuvor begonnenen Hornduos hat Mozart unter dem Manuskript vermerkt: "Wien den 27ten Jullius 1786 untern Kegelschieben". Und der Mozart-Biograph Georg Nikolaus Nissen weiß zu berichten, daß Mozart auch Teile des "Don Giovanni" an der Kegelbahn komponiert habe:

Wenn die Reihe des Spiels ihn traf, stand er auf; allein kaum war diess vorüber, so arbeitete er sogleich wieder fort, ohne durch Sprechen und Lachen derer, die ihn umgaben, gestört zu werden.

Ob all dies auch für das sogenannte "Kegelstatt-Trio" zuftrifft, läßt sich nicht nachweisen – aber auch nicht widerlegen. Verbürgt sind jedoch Entstehungszeit und Anlaß der Komposition. Mozart selbst hat in seinem eigenen "Verzeichnüss aller meiner Werke" den 5. August 1786 eingetragen. Geschrieben wurde das Werk für eine musikalische Soirée im Hause des Botanikers Nikolaus von Jacquin. Mit dessen Sohn Gottfried war Mozart eng befreundet, und die damals 17-jährige Tochter Franziska war Mozarts Klavierschülerin, der ihren Fleiß und ihren Eifer gar nicht genug zu rühmen wußte. Wenn es stimmt, daß Franziska von Jacquin bei der Soirée den Klavierpart gespielt hat, so müssen ihre pianistischen Fähigkeiten beträchtlich gewesen sein. Mozart selbst hat den Viola-Part gespielt, und der Klarinettist war Anton Stadler, ein weiterer Freund Mozarts.

Die Wahl der Instrumente ist ebenso ungewöhnlich wie reizvoll: Die Kombination von Klarinette, Klavier und Viola in ihren unterschiedlichen Lagen ermöglicht eine große Bandbreite an Klangfarben, und Mozart behandelt alle drei Instrumente als gleichberechtigte Partner, die ihre Virtuosität, ihre Ausdrucksfähigkeit und Klangschönheit wirkungsvoll ausleben dürfen. Vor allem im Trio des Menuetts werden die Instrumente so individuell und charakteristisch behandelt, daß sie wie Figuren einer imaginären Szene erscheinen.

Während Mozart die Komposition ausdrücklich als "Terzett für Klavier, Clarinett und Viola" bezeichnet hat, veröffentlichte der Wiener Musikalien-Verleger Artaria das Werk 1788 – wohl aus verkaufsfördernden Gründen – als gewöhnliches Trio für Klavier, Violine und Viola mit dem Zusatz: "Die Violinstimme kann auch auf einer Klarinette ausgeführt werden."