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Mikis Theodorakis zum 65. Geburtstag (29.7.1990)

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für die Deutsche Welle, Köln
(Zentraldienst Musik, Sendung: 29.7.1990)

Musik-Nr.: 01
Komponist: Mikis Theodorakis
Werk-Titel: Filmmusik zu "Alexis Sorbas"
Auswahl: Sirtaki <Track __.> __:__
Interpreten: xx
Label: Name (LC ____)
____
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__

"Alexis Sorbas" – der Kultfilm all derer, die das Land der Griechen mit der Seele suchen; die Geschichte einer Begegnung zweier Welten: ein intellektueller englischer Schriftsteller befreundet sich mit einem mazedonischen Bergbauern. Aber wer weiß schon um den genauen Inhalt dieses Films? Im Gedächtnis ist meist jener berühmte mitreißende Sirtaki, der Volkstanz, den Anthony Quinn am Schluß mit seinem griechischen Freund tanzt. Berühmt geworden ist "Alexis Sorbas" durch die Folklore-Klänge eines gewissen Mikis Theodorakis. Oder sollte es umgekehrt gewesen ein? Daß der Komponist Mikis Theodorakis erst durch den Film "Alexis Sorbas" internationale Anerkennung gefunden hat?

Ihn einzuordnen fällt schwer. Folklore Musiker, Komponist großer Sinfonien und Oratorien, politisch ambitionierter Sänger, in verschiedenen Legislaturperioden sogar Abgeordneter und Minister im griechischen Parlament. Aber auch in seinen politischen Aktivitäten gibt sich Theodorakis als Wanderer zwischen den Welten – zwischen antifaschistischem Widerstand, strammem Partei Kommunismus und konservativem Regierungslager. Ein griechischer Patriot aus Überzeugung, und doch war er einer der ersten, der nach der Zypern Krise von 1974 zwischen Griechenland und der Türkei im Jahre Verständnis zeigte für die türkischen Positionen.

Leicht macht er es einem also nicht, weder den Zeitgenossen noch den Chronisten, jener Mikis Theodorakis, der in diesen Tagen sein 65. Lebensjahr vollendet. Aber auch sich selbst hat er es nie leicht gemacht – als ein Mensch, der nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet ist, seine Überzeugungen aber auch immer wieder in Frage stellt und notfalls revidiert. Seine politischen Kehrtwendungen sind denn auch ebenso legendär wie verwirrend.

Geboren wurde er am 29. Juli 1925 auf der Insel Chios. Nachdem er schon in jungen Jahren durch seine musikalische Begabung auffiel, bewarb er sich am griechischen Staatskonservatorium in Athen, um Geige zu studieren. Theodorakis wurde abgelehnt – nicht etwa, weil sein Geigenspiel zu schlecht gewesen sei, sondern aus politischen Gründen: Theodorakis, der bis dahin für Politik kein sonderliches Interesse zeigte, wurde beschuldigt, Kommunist zu sein. Für ihn ein Grund, Kontakt zu den griechischen Kommunisten zu suchen, und der Anfang eines abenteuerlichen Lebens.

Während des Zweiten Weltkriegs trat Theodorakis der antifaschistischen Widerstandsorganisation EPON bei, der nationalen Befreiungsfront. Der politische Untergrund blieb auch nach 1945 seine Heimat. Seine Sympathien für die kommunstische Ideologie – in der für Südeuropa so typischen national patriotischen Ausprägung – brachten ihm Verfolgung, KZ und Folter ein. Der damalige König Konstantin stellte sogar das Singen seiner Lieder unter Strafe – als kommunistische Provokation.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Mikis Theodorakis
Werk-Titel: xx <Track __.> __:__
Interpreten: xx
Label: Name (LC ____)
____
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__

1964 dann zog Theodorakis für die Kommunisten ins Parlament – für drei Jahre. Nach dem rechten Militärputsch 1967 hieß es wieder "abtauchen"– seine Lebensstationen die nächsten acht Jahre waren Verhaftungen, Gefängnis, Hausarrest, Deportationslager. 1972 durfte er nach massiven internationalen Protesten nach Paris ins Exil gehen.

Als 1974 das Obristen-Regime gestürzt wurde, kehrte er in seine Heimat zurück – gefeiert als Hoffnungsträger der griechischen Linken. Allerdings betätigte er sich zunächst ein mal als Wahlhelfer der konservativen Partei des Konstantin Karamanlis. Doch seine politische Heimat fand er bei ihnen nicht – auch nicht bei der moskautreuen KP, bei den Eurokommunisten, oder bei der von ihm gegründeten "Neuen demokratischen Linken". Nach den Korruptions-Skandalen und Staatsaffären des Sozialisten Papandreou hat Theodorakis sich mittlerweile erneut dem konservativen Lager zugewandt. Verständlich, daß er sich seit Jahrzehnten den Vorwurf gefallen lassen muß, er sei ein Opportunist, ein Verräter an der Sache " ein künstlerisches wie politisches Chamäleon. Allerdings kommen solche Vorwürfe immer nur von denen, die sich von ihm gerade "im Stich gelassen" fühlen.

Im Grunde seiner Seele aber blieb Theodorakis Musiker – wobei er auch die Musik immer daran mißt, aus welcher Überzeugung sie entsteht, wie ehrlich sie letztlich ist. Im Selbststudium analysierte er die Werke der abendländischen Musikkultur von Bach bis Bartok. Angeregt von Bartoks musikalischer Feldforschung, beschäftigte Theodorakis sich ein gehend mit der griechischen Volksmusik und den orthodoxen liturgischen Gesängen.

1954 erhielt er ein Stipendium für das Pariser Musikkon servatorium – sein Kompositionslehrer dort war Olivier Messiaen. Was ihn mit Messiaen verband, war eben der humanistische, ethische Anspruch an die Musik. Aber Theodorakis' künstlerische Idee reicht noch weiter. Sein Ideal ist es, eine Musik zu schaffen, die die Unterscheidung von "Unterhaltungsmusik" und "Klassischer Musik" nicht mehr zuläßt; deren Sprache auch ohne Vorbildung und intellektuelles Wissen vom einfachen Volk verstanden wird.

Aus diesem Anspruch heraus sind auch seine großen sinfonischen Werke entstanden: eine Mélange aus grandios pathetischer Geste, folkloristisch angehauchten Romantizismen und gemäßigter Avantgarde. Überhöht wird das Ganze durch einen literarisch ideologischen Überbau, durch Gedichte von Neruda oder Texte des Revolutionsdichters Dionysios Solomos. Vielleicht ist es dieser Eklektizismus, der Wunsch Theodorakis', allen Bedürfnissen gerecht zu werden, ohne dabei einen eigenständigen Stil zu entwickeln, der seinen Sinfonien ein Odium von Trivialität verleiht. Am deutlichsten wird dies in seiner dritten Sinfonie für Chor und Orchester spürbar, die 1982 in Ost Berlin uraufgeführt wurde.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Mikis Theodorakis
Werk-Titel: 3. Sinfonie
Auswahl: xx <Track __.> __:__
Interpreten: xx
Label: Minos (LC ____)
MCD 15009
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__

Welches ist der typische Theodorakis – der Sinfoniker oder der Star der griechischen Folklore-Szene? Berühmt geworden ist Theodorakis jedenfalls als Folklore-Künstler, wobei – und das soll nicht verschwiegen werden – seine Auffassung von griechischer Folklore sich in den letzten Jahren immer stärker den gängigen Klischees annähert: als Charakteristikum das Tremolo der Bouzouki; das Begleitorchester in diffusen Hall getaucht – mit einer stereotypen Rhythmusgruppe im Hintergrund. Und die Sängerin Maria Farantouri intoniert dazu mit ihrem tiefen Timbre die elegischen Lieder. ... Die Augen schließen und träumen – von Sonne, blauem Meer und einsamen Stränden. Aber auch dies ist eine legitime Funktion von Musik.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Mikis Theodorakis
Werk-Titel: Mana mou ke panayia <Track 3.> 4:55
Interpreten: xx
Label: Polydor (LC ____)
827 020 2
<Track 3.> Gesamt-Zeit: 4:55