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Richard Wagner und die Frauen

Dieser Beitrag ist entstanden als
Sendemanuskript für den Deutschlandfunk, Köln

Musik-Nr.: 01
Komponist: Richard Wagner
Werk-Titel: Tristan und Isolde
Auswahl: Vorspiel (Anfang) <CD 1, Tr. 1.> __:__
Interpreten: xx
Label: DGG (LC 0173)
419 889-2
<CD 1, Tr. 1.> Gesamt-Zeit: __:__
Technik: TEXT (Gedicht) unterlegen nach 1'53
(Partitur S. 8, Takt 9 - Anfang Cello-Kantilene).
MUSIK ausblenden: nach Gedicht-Ende.
Hochbeglückt,
schmerzentrückt,
frei und rein,
auf ewig Dein -
was sie sich klagten
und versagten,
Tristan und Isolde,
in keuscher Töne Holde,
ihr Weinen und ihr Küssen
leg' ich zu Deinen Füßen,
daß sie den Engel loben,
der mich so hoch erhoben.

Mit diesen sinnigen Versen überreichte Richard Wagner am Silvesterabend 1857 seiner Geliebten Mathilde Wesendonck die Kompositionsskizze zum ersten Akt des Tristan. Allerdings: von Mathilde Wesendonck als der Geliebten des berühmten Herrn Wagner zu sprechen, ist reichlich profan (auch wenn diese Bezeichnung der Wahrheit wohl am nächsten kommt). Wagner selbst stilisierte seine Mathilde, die angetraute Ehefrau des Zürcher Seidenhändlers Otto Wesendonck zu seiner Muse. Oder um es mit des Meisters eigenen Worten zu schildern:

Als ich den "Tristan" vollendete und Dir den letzten Akt brachte, geleitetest du mich nach dem Stuhl vor dem Sofa und umarmtest mich. An diesem Tag, zu dieser Stunde wurde ich neu geboren. Du weißt, wie ich jenen wundervollen Augenblick genoß: nicht aufbrausend, stürmisch, berauscht, sondern feierlich, tief durchdrungen, mild durchwärmt. Ein holdes Weib, schüchtern und zagend, warf mutig sich mitten in das Meer der Schmerzen und Lieden, um mir zu sagen: "Ich liebe dich!" So weihtest Du Dich dem Tode, um mir Leben zu geben. Ich empfing Dein Leben, um mit Dir zu leiden, mit Dir zu sterben.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Richard Wagner
Werk-Titel: Tristan und Isolde
Auswahl: 2. Aufzug, 2. Auftritt (Part. S. 347,3 - 374,3)
ab: "Einsam wachend in der Nacht"
bis: "... wie stürbe dann Tristan seiner Liebe?"
<CD 2, Tr. 5.6.> __:__
Interpreten: xx
Label: DGG (LC 0173)
419 889-2
<CD 2, Tr. 5.6.> Gesamt-Zeit: 6:40
Technik: MUSIK einblenden bei <Tr. 5.> 0'00
MUSIK ausblenden bei <Tr. 6.> 4'08

Während "Tristan" Richard Wagner in den Armen seiner Mathilde liebte und gelegentlich auch litt, grämte sich zu Hause Minna Wagner, die rechtmäßige Ehefrau des großen Tonsetzers, die längst wußte, von welcher Muse sich ihr Göttergatte küssen ließ. Und Otto Wesendonck, der Ehemann Mathildes ging derweil seiner Arbeit nach und verkaufte Textilien, um den luxuriösen Zeitvertreib seiner Ehefrau zu finanzieren. Mathilde forderte nämlich eine ganze Menge, damit sich ihr Künstler-Geliebter am Zürcher See wohlfühlte. Herr Wesendonck hatte nicht nur die Miete zu bezahlen für Herrn Wagners "bescheidenes" Domizil, eine repräsentative und gut ausgestattete Villa in direkter Nachbarschaft, sondern er mußte zudem die Defizite decken, die sein Nachbar mit seinen schlechtbesuchten Konzerten einspielte.

Im übrigen tat Otto Wesendonck so, als ob er von dem Treiben in seinem Haus nichts wüßte. Oder ahnte er wirklich nichts und war geschmeichelt, welch großer Künstler in seiner Villa ein und aus ging? Jedenfalls – in all der Zeit und auch noch Jahre später ließ er sich nichts anmerken und bewahrte Haltung, und das, obwohl der Eklat vorprogrammiert war. In der Stadt tuschelten schon die Leute, und am 7. April 1858 wurde es Wagners Ehefrau Minna schließlich zu bunt: Sie öffnet einen Brief Mathildes, der an ihrer beider Richard gerichtet war, und läßt ihrer sittlichen Empörung freien Lauf. Herr Wesendonck erhält von dem Brief eine Abschrift, und an Mathilde schreibt Minna Wagner:

Geehrte Frau Wesendonck! Mit blutendem Herzen muß ich Ihnen sagen, daß es Ihnen gelungen ist, meinen Mann nach beinahe 22-jähriger Ehe von mir zu trennen. Möge diese edle Tat zu Ihrer Beruhigung, zu Ihrem Glücke beitragen.

Für das Liebespaar Richard und Mathilde gab es kaum eine Alternative: Ein gemeinsamer Liebestod (nach dem Vorbild von Tristan und Isolde) – dazu besaßen sie beide einen zu starken Lebenswillen; ein weiteres gemeinsames Zusammenleben wäre nur unter gesellschaftlicher Ächtung möglich gewesen – und wenn Mathilde auf die Annehmlichkeiten des Wesendonck'schen Reichtums verzichtet hätte. Für Mathilde Wesendonck gab es nur eine Lösung: Zwar bewunderte sie den großen Tonsetzer, aber sie war realistisch genug, um zu erkennnen, daß sie ein Hungerleben an seiner Seite nicht durchhalten konnte. Und so gab denn Mathilde ihrem geliebten Richard offiziell den Laufpaß. Gelegentlich begegnete man sich in aller Öffentlichkeit: bei Opern-Premieren und auf Banketten, und nach nicht allzu langer Zeit wurde das vertrauliche "Du" der Briefe in ein distanziert-freundliches "Sie" umgewandelt.

In Existenzsorgen geriet Wagner dadurch nicht. Denn nach wie vor versorgte ihn Mathilde mit allem, was gut und teuer war: Delikatessen für seinen Gaumen, Samt für seine Morgenröcke und den wohlgenährten Leib, und kostbare Brokat-Draperien für die Dependance in Venedig.

Allerdings: Dankbarkeit, Taktgefühl und treue Verbundenheit sind Herrn Wagners hervorstechende Eigenschaften nie gewesen – wie sich auch im Falle Wesendonck mal wieder zeigt: Die Texte der fünf Wesendonck-Lieder, die er einstmals so hoch geschätzt hatte, nennt er in späteren Jahren eine Arbeit, die er aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwängen heraus gemacht habe. Die Texte von Frau Wesendonck seien peinlich und abgeschmackt, und seine Vertonungen allenfalls für verbrauchte Sängerinnen geeignet. Seiner zweiten Ehefrau Cosima gegenüber äußerte er im Februar 1871:

Um keinen weichlichen Irrtum bestehen zu lassen, habe ich Frau Wesendonck ihre Briefe zurückgeschickt und die meinigen verbrennen lassen, weil ich nicht will, daß irgend etwas besteht, daß annehmen lassen könnte, es habe hier eine ernste Beziehung gegeben.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Richard Wagner
Werk-Titel: Tannhäuser
Auswahl: 1. Akt, 2. Szene (Anfang)
(Partitur S. 478-498, Takt 3)
<CD 1, Tr. 2.3.> 10:50
Interpreten: xx
Label: Philips (LC 0171)
414 581-2
<CD 1, Tr. 2.3.> Gesamt-Zeit: 10:50

Richard Wagner und die Frauen: Man ist versucht, das Thema auf seine "Traum"-Frauen zu beschränken; zu reden von der Muse Mathilde Wesendonck, von der verführerischen Jessie Laussot, der Tochter eines Weinhändlers in Bordeaux, mit der Wagner in den Orient fliehen wollte, von der Liszt-Tochter Cosima, die seit 1870 als Wagners Ehefrau aus dem Hintergrund des Meisters Geschicke lenkte, oder von der sinnlichen Judith Gautier, die den alternden Wagner zu der Blumenmädchen-Szene im Parsifal inspirierte.

Zu den Frauen um Wagner gehört aber auch des großen Meisters erste Ehefrau, die zu Unrecht vielgeschmähte Minna Wagner, geborene Planer.

In Wagners Leben trat Minna im Juli 1834: Sie eine nicht unbegabte Schauspielerin in dem Weimarer Mode-Kurort Bad Lauchstädt; er als Erster Kapellmeister für eine Saison beim dortigen Kur-Orchester engagiert. Daß Minna Wagners große Liebe war, läßt sich nicht unbedingt behaupten. Zunächst galt sie ihm wohl nur als erotischer Zeitvertreib für nächtliche Stunden – mit Qualitäten, daß man sie auch dem besten Freund andienen konnte. In einer Einladung Wagners an seinen Freund Theodor Apel im September 1834:

Komm in einer Woche - Du kannst dann acht Tage in meinem Logis leben. Und du sollst auch die Minna Planer haben. Sie hat mich ein paarmal recht sinnlich verklärt – es war mir prächtig dabei zumute.

Aber Minna war alles andere als leichtlebig. Die berühmte Männertreue hatte sie schon als 15-Jährige kennengelernt, als sie von einem Offizier verführt wurde und für das Kind dann alleine geradestehen mußte. An schnellen Amouren mit dahergelaufenen Kapellmeistern (auch wenn sie Wagner hießen) hatte sie denn auch wenig Interesse. Und so ließ sie ihren neuen Verehrer mehrere Monate regelrecht zappeln. Wagners Liebes-Leidensdruck war immens:

Mein liebes, liebes einziges Mädchen! Ich liebe Dich, o Du mein Leben! Vergiß mich nie, verrate mich nicht! Halte treu an mir, und laß mich Dich nie mit jemandem teilen. Schreib mir umgehend, ob auch Du mich liebst, ob Du an mich denkst. Schreib – und stärke mich, mein Engel! Adieu! Adieu! Gedenke mein! Gedenke Deines Richards!

Derartige Briefe erhielt Minna alle paar Tage. Aber bald schon sollte Minna auch erfahren, wie selbstbezogen, wie egoistisch Wagners Liebesverlangen war. Was allein zählte, waren seine Bedürfnisse, seine Karriere, sein Wohlbefinden. Daß Minna eigene Pläne haben könnte, kam ihm nicht in den Sinn, schlimmer noch: Sie waren ihm ein Dorn im Auge. Als Minna Planer im November 1835 ein Engagement in Berlin annahm, drohte ihr alleingelassener Liebhaber aus dem fernen Magdeburg:

Dein Leben willst Du mir opfern, aber nicht Deine theatralische Karriere? Ich werde sie mit Füßen treten, ehe sie uns trennen sollte. Ich achte Deines Bühnenlebens nicht im geringsten. Und eh ich ihm unsere Liebe aufopfere, nehme ich Dich lieber auf der Stelle ganz vom Theater und heirate Dich auf dem Fleck. Öffne Dein Herz, Minna! Und wenn nicht, so will ich Dich zwingen. Mädchen, so ward noch keine geliebt wie Du. Aber verschmähst Du unsere Verbindung, so sollst Du die Gewalt meiner Liebe noch anders erfahren! – Dies schwört Dein Richard.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Richard Wagner
Werk-Titel: Der fliegende Holländer
Auswahl: Finale.
(Partitur ab S. ___)
<CD 2, Tr. 14.15.16.> 9:25
Interpreten: xx
Label: Philips (LC 0171)
417 319-2
<CD 2, Tr. 14.15.16.> Gesamt-Zeit: 9:25

Am 24. November 1836 dann führte Richard Wagner seine Minna zum Traualtar und hatte fortan jemanden, der ihm den Haushalt führte. Minna besorgte die Wäsche, sie war Haushälterin, Köchin, Reinemache-Frau – und Seelen-Trösterin, wenn ihr Richard mal wieder an der Welt litt: wenn er im feindlichen Männerleben Blessuren erlitten hatte – sei es als verkannter Komponist oder verschmähter Liebhaber.

Was sie bedrückte, waren zum einen die andauernden Amouren und Liebeshändel ihres Göttergatten mit irgendwelchen Ehefrauen und Töchtern von Fabrikbesitzern, aber auch die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen sie lebte. Und eine Besserung zeichnete sich nicht ab. Denn die Kompositionen von Herrn Wagner standen damals noch nicht hoch im Kurs. Des öfteren mußte er seine Wirkungsstätten bei Nacht und Nebel verlassen – auf der Flucht vor Gläubigern und vor der Polizei, die den Herrn Kapellmeister seit seinem Engagement während der 48-Revolution steckbrieflich suchte. Und Minna mußte ihm folgen – oder mochte sehen, wo sie blieb. Wie sie sich dabei fühlte, schildert sie ihm 1849:

Ich mag nicht andauernd erleben, was ich schon seit Jahren mit Dir ertrage. Denke an die kleinlichen Nahrungssorgen, wo ich manchmal nicht wußte, was ich in das kochende Wasser schütten sollte, weil ich nichts hatte. Und mir graust vor der Zukunft, wo Ähnliches zu erwarten steht. Ich verhehle es Dir nicht: Ich bin kleinmütig geworden.

Kleinmütig, ängstlich und engstirnig – das waren die Vorwürfe, die Richard Wagner seiner Frau schon seit etlichen Jahren machte: Nicht nur, daß sie ihm andauernd wegen irgendwelcher profaner Geldsorgen in den Ohren lag; erdreistete sie sich doch allen Ernstes, seinen außerehelichen Liebschaften – wo immer es ging – Steine in den Weg zu legen.

Ein erotisch erfülltes Künstlerleben nach seinem Geschmack war mit Minna offensichtlich nicht möglich. Verschiedentlich schlug er ihr deshalb vor, man solle sich scheiden lassen und jeder ein neues Leben beginnen. Doch Minna ließ sich auf dieses Modell nicht ein: Trennung – ja; aber Scheidung – niemals.

1862 dann wurde die Trennung vollzogen; 1866 starb Minna im Alter von 56 Jahren, und Wagner war frei. Einer neuen ehelichen Verbindung stand nun nichts mehr im Wege – so gut wie nichts mehr. Nur ein unglücklicher Ehemann namens Hans von Bülow, dem Wagner das gerade angetraute Eheweib abspenstig machte – Cosima, geborene Liszt, später geschiedene von Bülow, verheiratete Wagner. – Seinem Tagebuch klagt Wagner im August 1865:

Cosima! Gib mir Ruhe! Bleibe bei mir, geh' nicht wieder. O Himmel, könntest Du ruhig vor der Welt mein Weib sein! Dies's stete Kommen und Gehen, wieder Kommen, wieder fortmüssen, Verfügenlassen über Dich – es ist entsetzlich. Und doch bist Du mein Weib!

Noch war Cosima mit Hans von Bülow verheiratet. Mit Wagner allerdings zeugte sie schon die Kinder Isolde, Eva und Siegfried. 1870 war es dann soweit: Im Juli wurde Cosima gerichtlich von Hans von Bülow geschieden, im August werden Richard und Cosima in Luzern getraut.

Musik-Nr.: 05a
Richard Wagner: xx
Werk-Titel: Lohengrin
Auswahl: 3. Akt, 1. Szene (Ausschnitt)
Partitur S. ___ bis S. 298, 5 Takte nach "23"
<CD 4, Tr. 3.4.5.> 8:40
Interpreten: xx
Label: Philips (LC 0171)
421 053-2
<CD 4, Tr. 3.4.5.> Gesamt-Zeit: 8:40
Technik: MUSIK ausblenden bis: CD 4, Tr. 5. bis 0'10

alternativ (je nach Zeit):

Musik-Nr.: 05b
Komponist: Richard Wagner
Werk-Titel: Lohengrin
Auswahl: 3. Akt, 1. Szene (Ausschnitt)
Partitur ab S. 286, 7 Takte vor "12"
bis S. 298, 5 Takte nach "23"
<CD 4, Tr. 2.-5.> 10:45
Interpreten: xx
Label: Philips (LC 0171)
421 053-2
<CD 4, Tr. 2.-5.> Gesamt-Zeit: 10:45
Technik: MUSIK einblenden ab: CD 4, Tr. 2. ab 3:32
MUSIK ausblenden bis: CD 4, Tr. 5. bis 0:10