Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
Inhaltsverzeichnis Manuskriptsammlung

Jan Dismas Zelenka: "Sub olea pacis et palma virtutis"

Dieser Beitrag ist entstanden als
Sendemanuskript für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 19.5.1991)

Auf deutsch übersetzt lautet der Titel: Unter dem Ölzweig des Friedens und unter der Palme der Tugend. Schon dieser Titel weist in symbolischer Form auf den politischen Charakter der Komposition hin, die sich stilistisch zwischen Oper und Oratorium bewegt. Zelenka hat, gleichsam als Zweit-Titel, darunter gesetzt: Melodrama de Sancto Wenzeslao (Melodram über den Heiligen Wenzel), und damit hat er im Verständnis der damaligen Zeit den national-politischen Charakter des Werks nochmals deutlich hervorgehoben: Denn der frühmittelalterliche König Wenzeslaus gilt seit alters her als der Nationalheilige des böhmisch-tschechischen Volks und als Bewahrer ihrer nationalen Eigenständigkeit.

Anlaß für die Komposition waren die böhmischen Krönungsfeierlichkeiten für den habsburgischen Kaiser Karl VI. in Prag im Jahre 1723. – Das böhmische Königtum zählte seit dem Mittelalter zu den wichtigen Stützen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation: Der böhmische König war einer der sieben Kurfürsten, die das Recht hatten, den deutschen Kaiser zu wählen; und die Residenzstadt Prag galt über Jahrhunderte hinweg als eines der bedeutendsten Kunst- und Kulturzentren in Mitteleuropa.

Die Habsburger besaßen seit 1526 ein Anrecht auf die böhmische Krone, und sie wußten die politische Bedeutung ihrer Neuerwerbung wohl zu schätzen. Was ihnen auf Dauer allerdings nicht behagte, waren die stark zunehmenden religiösen Gegenbewegungen, die protestantischen und hussitischen Tendenzen, die den habsburgisch-katholischen Machtanspruch in Frage stellten und die 1618 schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führten. Die Habsburger reagierten auf ihre Weise: Sie beschnitten zunehmend die böhmischen Sonderrechte und überzogen das ganze Land flächendeckend mit katholischen Jesuiten-Schulen, die dem protestantischen Gedankengut entgegenwirken sollten. Nicht mehr Prag, sondern das kaiserliche Wien zog seit Ende des 16. Jahrhundert allen herrschaftlichen Glanz auf sich, während die böhmische Residenzstadt immer mehr zur provinziellen Dependance herabsank.

Vor diesem Hintergrund ist es zu sehen, daß Karl VI. die böhmische Königskrone absichtlich mit erheblicher Verspätung in Empfang nahm. 1712 war er in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gekrönt worden, aber erst elf Jahre später, 1723, geruhte er in Prag zu erscheinen. Nichtsdestotrotz (oder vielleicht auch gerade deswegen) haben die böhmischen Stände die Krönungs-Feierlichkeiten mit dem größtmöglichen Aufwand betrieben, um allen Anwesenden vor Augen zu halten, welche politische Bedeutung die böhmischen Wenzels-Krone für die habsburgische Monarchie besaß. Auf dem Festprogramm standen unter anderem vier Opern, ein Dutzend Empfänge für die ausländischen Gesandten und politischen Stände Böhmens, sowie gegen Ende, am 12. September 1723, eben jenes Jesuiten-Spiel vom Heiligen Wenzel.

Das Stück ist eine Mischung aus theatralischer Handlung und allegorischen Betrachtungen, und nur diese allegorischen Verse wurden von Zelenka vertont. Hier der Inhalt von Prolog und erstem Akt:

Der erste Akt handelt vom Sieg des Heiligen Wenzel über den heidnischen Herzog von Kourim.

Musik-Nr.: 01
Komponist: Jan Dismas Zelenka
Werk-Titel: Sub olea pacis et palma virtutis
Auswahl: Prolog
1. Akt
<Track __.> __:__
Interpreten: xx
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__

Jan Dismas Zelenka wurde 1679 im böhmischen Ort Launowitz geboren und galt zu Lebzeiten als einer der großen Komponisten für die katholische Kirchenmusik. Seine Schulausbildung erhielt er im Prager Jesuiten-Kolleg, das ihm als ehemaligem Schüler 1723 auch den Kompositions-Auftrag zu dem Krönungs-Oratorium erteilte.

Zwischenzeitlich war Zelenka von 1710 an als Musiker beim kaiserlichen Statthalter in Prag in Diensten gewesen; er hatte in Dresden als Kontrabassist und Komponist der Königlich Polnischen und Kurfürstlich Sächsischen Kapelle August des Starken gewirkt und ein Stipendium für weiteren Kompositions-Unterricht in Italien erhalten.

Zelenkas katholische Herkunft und seine Erziehung im Jesuiten-Kolleg machten ihn in den Augen seiner Landsleute suspekt; und es hat den Anschein, daß auch Zelenka selbst (wie viele andere böhmische Katholiken) diesen Zweispalt empfand. Das Krönungs-Melodrama Sub olea pacis jedenfalls läßt sich in zwei Richtungen deuten: als uneingeschränktes Herrscherlob und nationaler Kniefall vor Karl VI. oder als versteckte Anspielung darauf, daß die böhmische Wenzels-Krone älter und bedeutender ist als der Machtanspruch des Hauses Habsburg.

Hier der Inhalt des zweiten und dritten Akts:

Dritter Akt: Vorgeführt wird die Abstammung des Hauses Habsburg und die rechtmäßigen Ansprüche auf den böhmischen Thron.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Jan Dismas Zelenka
Werk-Titel: Sub olea pacis et palma virtutis
Auswahl: 2. und 3. Akt <Track xx.> __:__
Interpreten: xx
Label: Name (LC ____)
Nummer
<Track xx.> Gesamt-Zeit: __:__