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"Holde Aida"

Opern an den Ufern des Nils

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für den Deutschlandfunk, Köln
(Sendung: 14.3.1989 – "Opernkonzert")

Musik-Nr.: 01
Komponist: Giuseppe Verdi
Werk-Titel: Aida
Auswahl: 1. Akt: "Celeste Aida" <CD 1, Track 3.> 3:25
Interpreten: Placido Domingo (Radames)
New Philharmonia Orchestra
Ltg.: Riccardo Muti
Label: EMI (LC 0542)
7 47 271 8
<CD 1, Track 3.> Gesamt-Zeit: 3:25
Archiv-Nummer: ____
Technik: Einblenden bei <CD 1, Track 3.> 0:57

Man hat hier kürzlich eine neue Oper von Verdi gespielt: Aida. Die Musik – einfach ekelerregend! Und dann die Sänger, das Orchester, die ganze Inszenierung – zum Gotterbarmen!

Soweit George Bizet über die Pariser Premiere der Aida, wenige Monate, bevor er selbst über seine Carmen ähnlich katastrophale Urteile hören mußte. Aber Bizet war nicht der einzige, der mit der Aida nichts anfangen konnte. 1886 schrieb der 22jährige Richard Strauss an seine Eltern:

Gestern abend Aida. Scheußliche Indianermusik!

Wenn es darum ging, gegen Komponisten Kollegen scharfzüngige Bosheiten loszulassen, war Richard Strauss war nie sonderlich zimperlich. Allerdings daß er im Falle der Aida von "Indianermusik" redet, legt den Verdacht nahe, daß er entweder den Inhalt nicht gekannt oder sich gewaltig in der Geographie vertan hat. Jedenfalls – mit "Indianermusik", geschweige denn mit "scheußlicher Indianermusik" hat die äthiopisch- ägyptische Liebestragödie um die Sklavin Aida und den Feldherrn Radames nun wirklich nichts zu tun.

Aber auch Ägyptisches sucht man vergebens. Die Melodien und Harmonien klingen – trotz manch exotischer Färbung – durch und durch nach Verdi; selbst die berühmten "Aida-Trompeten" mit ihrem schrill-schmetternden Klang, die Verdi eigens für diese Oper hat anfertigen lassen, sind fragwürdige Rekonstruktionen des 19. Jahrhunderts, gebaut in Paris bei dem berühmten Adolphe Sax. Da es keine originalen Instrumente gab, an denen man sich hätte orientieren können, blieb nur die knappe Schilderung des antiken Geschichtsschreibers Plutarch: Ihn hatten die ägyptischen Trompeten an Eselsrufe erinnert.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Giuseppe Verdi
Werk-Titel: Aida
Auswahl: 2. Akt, 2. Szene: Triumphmarsch <CD 2, Track 7.> 0:35
Interpreten: New Philharmonia Orchestra
Ltg.: Riccardo Muti
Label: EMI (LC 0542)
7 47 271 8
<CD 2, Track 7.> Gesamt-Zeit: 0:35
Archiv-Nummer: ____
Technik: ausblenden bei <CD 2, Track 7.> 0:35

Dabei hatte sich Giuseppe Verdi alle Mühe gegeben, seine Aida möglichst authentisch auszugestalten. Monatelang las er Bücher über ägyptische Geschichte, er studierte die monumentalen Kunstwerke Pharanonenzeit und vertiefte sich in die Opfergebräuche des Isis Kultes. Immerhin sollte die Uraufführung der Aida in Kairo stattfinden, allerdings nicht, wie gemeinhin erzählt wird, zur Eröffnung des Suezkanals. Der war schon seit einem halben Jahr in Betrieb, als Giuseppe Verdi den szenischen Entwurf für das ägyptische Breitwand Spektakel in den Händen hielt.

Der damalige Herrscher Ägyptens, Ismail Pascha, träumte davon, sein Land mit den technischen und kulturellen Segnungen des Abendlandes zu beglücken – und was lag da näher, als in der Hauptstadt Kairo ein Opernhaus zu bauen! Verdi, der gebeten worden war, eine Hymne auf diesen ersten "Musentempel" in Afrika zu schreiben, hatte damals dankend abgelehnt:

Ich bedauere, diese Ehre nicht annehmen zu können: einmal, weil meine gegenwärtigen Arbeiten dies nicht erlauben, zum anderen, weil es nicht meine Gewohnheit ist, Gelegenheitskompositionen zu schreiben ...

Die Abfuhr war deutlich. Doch Ismail Pascha ließ nicht locker. Wenn schon keine Hymne zur Eröffnung, dann vielleicht eine ganze Oper zu einem späteren Zeitpunkt. Und so erhielt Verdi im April 1870 einen ersten Entwurf zum Aida Stoff nebst folgendem Begleitschreiben:

Monsieur Verdi! Seine Hoheit Ismail Pascha ist äußerst betrübt, auf Ihre Mitarbeit verzichten zu sollen. Er bietet Ihnen für eine neue Oper alles an, was in seiner Macht steht: die Proben mit den Künstlern des Kairoes Theaters in Paris oder Mailand abzuhalten, nach Ihrer freien Wahl.

Angefügt ist ein Postskriptum, wo Verdi dann lesen konnte:

Sollte Monsieur Verdi nicht akzeptieren, werden Seine Hoheit an die Türe von Gounod klopfen oder Monsieur Wagner. Sollte dieser es tun wollen, er könnte etwas Grandioses zustande bringen.

Eine Wagner'sche Aida, unter Palmen liebeskrank leidend und am Ende wonnevoll der Welt entsagend – nicht auszudenken! Verdi nimmt den Kompositionsauftrag an, allerdings nicht ohne Bedingungen zu stellen:

Erstens: Auf der Grundlage des Entwurfs lasse ich das endgültige Libretto auf meine Kosten und nach meinen Wünschen abfassen.

Zweitens: Ebenfalls auf meine Kosten schicke ich jemanden nach Kairo, der die Oper einstudieren und die Premiere dirigieren wird.

Drittens: Ich übertrage Ihnen das Aufführungsrecht der Oper nur für Ägypten. Für alle übrigen Erdteile behalte ich mir die Eigentumsrechte vor.

Als Honorar fordere ich 150.000 Francs, zahlbar in Paris beim Bankhaus Rothschild.

Musik-Nr.: 03
Komponist: Giuseppe Verdi
Werk-Titel: Aida
Auswahl: Finale 4. Akt:
"Immenso Fthà – O terra addio!"
<CD 3, Track 12.> 5:30
Interpreten: Montserrat Caballé (Aida)
Placido Domingo (Radames)
Fiorenza Cossotto (Amneris)
Chor des Royal Opera House, Covent Garden
New Philharmonia Orchestra
Ltg.: Riccardo Muti
Label: EMI (LC 0542)
7 47 271 8
<CD 3, Track 12.> Gesamt-Zeit: 5:30
Archiv-Nummer: ____
Technik: einblenden bei <CD 3, Track 12.> 5:07

Ägypten war Mode im 19. Jahrhundert. Spätestens seit Napoleons Feldzug zu den Pyramiden gehörte es zum guten Ton eines jeden wohlhabenden Europäers, die obligatorische Bildungsreise, die er bislang durch Deutschland, Frankreich und Italien geführt hatte, nun bis nach Ägypten auszudehnen. Und die ägyptische Regierung ihrerseits verschenkte freigiebig ihre Kulturdenkmäler in alle Welt: Obelisken für Frankreich, Obelisken für England, sogar nach Amerika wurden diese über 20 Meter hohen Steinmonumente verschickt.

Schon die alten Römer waren fasziniert von diesen seltsamen Objekten, die über und über mit unverständlichen Schriftzeichen verziert waren – ideale Souvenirs, mit denen die römischen Imperatoren ihre Größe und Weltläufigkeit demonstrieren konnten. Und zudem waren sie auch nicht ganz unnütz, diese Obelisken: ließen sie sich doch für die öffentlichen Sonnenuhren als dekorative Zeiger verwenden.

Ägypten – das war im sittenstrengen Rom gleichbedeutend mit unermeßlichen Goldschätzen, mit Sinnenfreude und schönen Frauen. Märchenhafte Dinge erzählte man sich von dem Land am Nil, vor allem von der Herrscherin Kleopatra, der Tochter des Ptolomaios: ein lüsternes Luxusgeschöpf sei sie, die es nur darauf anlege, mit ihrer Schönheit die Männer zu umgarnen. Es hieß, Kleopatra könne Metall in Gold verwandeln; sie habe ein Buch über Frisuren und Schminktechniken geschrieben und trinke mit Vorliebe in Essig aufgelöste Perlen.

Was die Sache mit dem Essig und den Perlen betrifft, so galt es schon in der Antike als Zeichen von besonderem Snobismus, sein "Sprudelwasser" auf diese Art und Weise herzustellen.

Alles andere aber sind Gerüchte. Das Gold, das Kleopatra mit vollen Händen ausgab und verschenkte, stammte aus dem Staatsschatz. Von dem ominösen Buch über die ägyptische Schönheitspflege ist bislang kein einziges Exemplar aufgetaucht. Und über Kleopatras eigene sagenhafte Schönheit gab es schon damals unterschiedliche Meinungen. Der Geschichtsschreiber Plutarch jedenfalls äußerte sich diplomatisch zurückhaltend:

An und für sich war ihre Schönheit, wie man sagt, gar nicht so unvergleichlich und von der Art, daß sie beim ersten Anblick berückte. Aber im Umgang hatte sie einen unwiderstehlichen Reiz, und ihre Gestalt, verbunden mit der gewinnenden Art ihrer Unterhaltung und der in allem sie umspielenden Anmut, hinterließ in jedem Manne einen Stachel der Leidenschaft. Ein Vergnügen aber war es vor allem, dem Klang ihrer Stimme zu lauschen.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Georg Friedrich Händel
Werk-Titel: Giulio Cesare
Auswahl: Nr. 27 – Arie der Cleopatra:
"Se pietà di me non senti"
<Track 10.> 9:40
Interpreten: Paul Esswood (Giulio Cesare)
Roberta Alexander (Cleopatra)
Lucia Popp (Cleopatra)
Arnold Schönberg Chor
Concentus musicus Wien
Ltg.: Nikolaus Harnoncourt
Label: Tel (LC 3706)
8.43927
<Track 10.> Gesamt-Zeit: 9:40
Archiv-Nummer: ____

Über das Liebesleben der Kleopatra ist schon im alten Rom viel spekuliert worden. Eine Frau, die die Regierungsgeschäfte führte, war den patriarchalisch denkenden Römern eh' ein Unding. Und dann mußten sie noch mit ansehen, wie es dieser Frau sogar gelang, die glorreichen römischen Heerführer um den Finger zu wickeln.

Als ersten erwischte es Gaius Julius Cäsar, den siegreichen Bezwinger der Gallier und Germanen, den es nach Ägypten verschlagen hatte, weil er hoffte, dort endlich seinen Widersacher und ehemaligen Freund Pompejus vernichtend zu schlagen. Für Kleopatra die Chance, mit Cäsars Hilfe ihre eigene Machtstellung zu festigen. Nur – der 52jährige Cäsar zeigte zunächst keinerlei Interesse an der um 30 Jahre jüngeren ägyptischen Königin. Bis ... – doch lassen wir noch einmal unseren Gewährsmann Plutarch zu Wort kommen:

Da Kleopatra keine Möglichkeit sah, unentdeckt in Cäsars Palast einzudringen, ließ sie sich in einen Teppich einrollen und von einem Vertrauten derart verborgen in den Palast tragen. Mit diesem listigen Einfall, der Kleopatras mutiges Wesen verriet, gewann sie Cäsars Herz, und vollends erlag er ihrer Anmut und dem Reiz ihres Umganges.

Es folgte eine Zeit des süßen Lebens. Mit Kleopatra zusammen unternahm Cäsar eine zehnwöchige Kreuzfahrt auf dem Nil, während in Rom und in den römischen Provinzen der Bürgerkrieg tobte. Und schließlich eröffnete Kleopatra ihrem Liebhaber, daß sie von ihm schwanger sei. Was der alternde Cäsar nicht ohne Stolz zur Kenntnis nahm. – Nach Cäsars Ermordung dann war es Marcus Antonius, der mit Kleopatra das Lager teilen durfte:

Sie wußte die Kunst des Schmeichelns vielfach einzuteilen, und wich Antonius weder bei Tage noch bei Nacht von der Seite. Sie würfelte, zechte und jagte mit ihm, und wenn er nachts an die Türen und Fenster der einfachen Leute trat und mit ihnen seinen Witz trieb, ging sie mit ihm und streunte mit ihm herum, als Dienerin verkleidet.

Musik-Nr.: 05
Komponist: Samuel Barber
Werk-Titel: Antony and Cleopatra
Auswahl: 2. Akt, Szene 4:
"Oh take those lips away"
<Track __.> 6:20
Interpreten: Jeffrey Wells (Antony)
Esther Hinds (Kleopatra)
Spoleto Festival Orchestra
Ltg.: Christian Badea
Label: New World Records (LC ____)
322 24
<Track __.> Gesamt-Zeit: 6:20
Archiv-Nummer: ____

Wenden wir uns wenigstens gegen Ende sittsameren Stoffen zu! – Anfang des Jahres 1817 erhielt Giaocchino Rossini vom "Teatro San Carlo" in Neapel den Auftrag für eine Oper – das Sujet: der Auszug der Israeliten aus Ägypten. Ein biblisches Thema deswegen, weil die Karnevalsaison sehr kurz war und die Oper auch während der Fastenzeit gespielt werden sollte.

Über die Premiere von Moses in Ägypten schreibt Stendal in seiner großen Rossini-Biographie:

Im dritten Akt hatte der Librettist unglücklicherweise den Durchzug durch das Rote Meer vorgesehen, ohne daran zu denken, daß so etwas nicht so einfach zu inszenieren ist wie die Plage der Großen Finsternis. Und so sah man denn vom Parkett aus das Meer anderthalb bis zwei Meter höher ansteigen als das Ufer, und von den Logen aus konnte man sehen, als das Meer sich teilte, wie die kleinen Kinder die blauen Tücher schwenkten. Es gab eine Menge Gelächter; die Heiterkeit war so spontan, daß niemand ärgerlich wurde oder pfiff. Allerdings hörte man vor lauter Lärm nicht mehr das Ende der Oper, weil jedermann sich nur über diese wunderbar mißlungene Inszenierung unterhielt.

Um wenigstens dem technischen Personal genügend Zeit zur Vorbereitung dieser Szene zu geben, komponierte Rossini für die folgenden Aufführungen vorweg ein dreistrophiges Gebet, von dem Stendal behauptete, er kenne einige junge Damen, ...

... die durch dieses Stück Musik regelmäßig in eine solche Aufregung verfallen, daß sie noch Tage später an Fieber und krampfhaften Zuckungen leiden.

Musik-Nr.: 06 – Alternative 1
Komponist: Gioacchino Rossini
Werk-Titel: Mosè
Auswahl: 4. Akt, Szene 3:
"In tal momento orribile" –
"Dal tuo stellato soglio"
 
<CD 3, Track 09.>
<CD 3, Track 10.>
5:40
Interpreten: Jószef Gregor (Mosè)
Magda Kalmár (Anais)
Eszter Póka (Miriam)
András Molnár (Elisero)
Ungarischer Radio- und Fernseh-Chor
Orchester der Ungarischen Staatsoper
Ltg.: Lamberto Gardelli
Label: HCD (LC ____)
12 290 92 2
<CD 3, Track 9.10.> Gesamt-Zeit: 5:40
Archiv-Nummer: ____
 
Musik-Nr.: 06 – Alternative 2
Komponist: Gioacchino Rossini
Werk-Titel: Mosè
Auswahl: 4. Akt, Szene 3 & 4:
""Dal tuo stellato soglio" –
"Qual fragor! –
"Dove son dessi?"
 
<CD 3, Track 10.>
<CD 3, Track 11.>
<CD 3, Track 12.>
10:10
Interpreten: Jószef Gregor (Mosè)
Magda Kalmár (Anais)
Eszter Póka (Miriam)
András Molnár (Elisero)
Sándor Sólyom Nagy (Pharao)
János B. Nagy (Amenophis)
Ungarischer Radio- und Fernseh-Chor
Orchester der Ungarischen Staatsoper
Ltg.: Lamberto Gardelli
Label: HCD (LC ____)
12 290 92 2
<CD 3, Track 10.11.12.> Gesamt-Zeit: 10:10
Archiv-Nummer: ____
Technik: aublenden bei <CD 3, Track 12.> 2:48