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Marpurg: Anleitung zum Clavierspielen

Kap. 1.9.2.3

Drittens. Von dem Doppelvorschlage.

<51> § 1. Aus der Verbindung zweyer Vorschläge von verschiedener Gattung vor einer Hauptnote entstehet eine Manier, die von dem Herrn Bach in seinem Versuche zuerst ein Anschlag genennet worden ist, sonst aber ein Doppelvorschlag genennet wird. Man sehe Tab. IV. Fig. 7. und 8. it. Tab. III. 45. Wenn derselbe so wie bey Fig. 7. gemachet wird, so besteht er allezeit aus zwey Wechselnoten. In dem andern Fall, so wie bey Fig. 8. muß die erste von den beyden Noten allezeit vorher gehen. Wiewohl nun der Doppelvorschlag wohl auf diese Art am üblichsten ist, so verliehret er doch nichts an Güte und Geshmack, wenn er auch in der Gegenbewegung auf die Art wie bey Fig. 9. Tab. IV. gebraucht wird.

NB: Tab. IV. Fig. 7.8.9

NB: Tab. III. Fig. 45

§ 2. Diese Manier muß allezeit ordentlich mit Nötchen ausgeschrieben werden, indem man kein Zeichen dazu hat, und es auch in der That überflüßig seyn würde, eines dazu zu ersinnen. Man hat dergleichen schon genung zu andern Manieren, und was man mit Noten deutlich genung an den Tag legen kann, dazu braucht man keiner Zeichen.

§ 3. Der Doppelvorschlag, darinnen man das erste Nötchen mit einem Puncte begleitet, wie bey Fig. 10. Tab. IV. wird allezeit deutlicher mit ordentlichen Noten angezeiget, und so geschrieben, wie er eingetheilet werden soll, als wie bey Fig. 11. Die Schreibart mit dem Punct bey kleinen Nötchen ist der Mühe des Nachsinnens unterworfen. Man hält sich und andere damit auf.

NB: Tab. IV. Fig. 10-11

§ 4. Wenn bey einem Doppelvorschlage mehrere Stimmen vorhanden sind, so müssen nicht die Gegenstimmen verzögert, sondern solche sogleich mit den Noten des Doppelvorschlags gegriffen werden, indem nur die Hauptnote, worauf sich derselbe bezieht, verzögert wird. So muß z.E. Fig. 1. Tab. VI. wie bey Fig. 2. gespielet werden.

NB: Tab. VI. Fig. 1-2