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Hetzjagd auf Meyerbeer

Pariser Opernklatsch – 2. Teil

Dieser Beitrag ist entstanden als Sendemanuskript
für den Westdeutschen Rundfunk, Köln
Musik-Nr.: 01
Komponist: Giacomo Meyerbeer
Werk-Titel: Robert le Diable
Auswahl: Duett Isabella – Robert (4. Akt)
"Robert, toi que j'aime"
<Track __.> __:__
Interpreten: xx
Label: EMI (LC ____)
CDC 47183
<Track __.> Gesamt-Zeit: __:__
Technik: SPRECHER und ZITAT nach __:__ überblenden

Am 23. Februar des Jahres 1841 konnte man in der Dresdner Abendzeitung folgenden Bericht aus Paris lesen:

Mit dem "Robert le Diable" von Giacomo Meyerbeer hat es hier in Paris eine wunderbare, ja fast unheimliche Bewandtnis; und wenn ich Herr Donizetti oder Herr Rossini oder sonst einer von den unzähligen Komponisten wäre, die Paris bevölkern, so würde ich diesen "Robert" hassen wie einen wirklichen Teufel: Diese Oper ist nämlich der Beifalls- oder vielmehr Durchfallsbarometer für die Werke all jener Herren. Denn hat eine Oper kein Glück gemacht, so wird nach den ersten Vorstellungen wieder Meyerbeers "Robert le Diable" gegeben; und sieht man dieses Werk dann wieder auf dem Spielplan, so kann man sicher sein, daß die vorige Oper nichts hergemacht hat. Trotz der oft skandalös schlampigen Vorstellungen dieses Werks, trotz der schlechten Sänger, trotzdem, daß die Dekorationen und Tänze verwischt und matt geworden sind unter der ungeheuren Langeweile von 230 Vorstellungen trotz alledem ist und bleibt der "Robert" das glücklichste Zugstück der Pariser Oper.

Der Autor dieser Lobeshymne auf Meyerbeers Oper war niemand geringeres als Herr Richard Wagner – derselbe Richard Wagner, der wenig später zum erklärten Feind Meyerbeers werden sollte. – Doch davon später.

Als Wagner seine Berichte für die Dresdner Abendzeitung schrieb, stand "Robert le Diable" schon seit zehn Jahren auf dem Spielplan der Pariser Oper, ohne daß dieses Werk auch nur etwas von seiner Anziehungskraft verloren hätte. Schon die Proben zur Uraufführung, damals im Jahre 1831, hatten ein Heer von Kritikern aus ganz Europa gelockt, und für einige Wochen beherrschte der "teuflische Robert aus der Normandie" die Feuilletons der großen europäischen Tageszeitungen. Man berauschte sich an den musikalischen Finessen und bestaunte den Aufwand der Szenerie und die bühnentechnischen Neuerungen, die eigens für diese Oper entwickelt worden waren: So wurden für das fahle Mondlicht einer mitternächtlichen Friedhofsszene erstmals Gaslampen als Bühnenillumination eingesetzt.

Indes gab es auch etliche Neider und böse Zungen, die den Rummel um den "Robert" mit der Behauptung abtaten, Meyerbeer, von Hause aus vielfacher Millionär, habe mit seinem Geld bloß die Presse bestochen und genügend Freikarten verteilt.

Der Inhalt des "Robert le Diable" ist weitgehend ein Verschnitt aus ein wenig "Faust", aus "Wolfsschlucht"-Romantik und "Dornröschen-Schlaf". Erzählt wird die Geschichte des normannischen Herzogs Robert, der – obwohl Sohn eines boshaften Höllenfürsten – anscheinend mit besseren Erbanlagen ausgestattet ist als sein Vater und deshalb mit knapper Not der ewigen Verdammnis entkommt. Aber bis es soweit ist, wird dem Pubikum allerhand Ergötzliches geboten: neben diversen Zechgelagen, Intrigen und zärtlich-harmlosen Liebesszenen auch eine mitternächtliche Geisterbeschwörung, während der lüsterne Nonnen den Titelhelden zu verführen suchen.

Die Pariser waren begeistert. Nur die anwesenden Deutschen rümpften ob diesem "unzüchtigen" Machwerk die Nase. Der Balladen-Komponist Carl Loewe fand die Oper schlichtweg "pervers", denn es sei soviel Entsetzliches und Schauerliches darin zu sehen, daß es nur solchen Leuten gefallen könne, die ein "verbranntes Hirn" hätten. Und der 22jährige Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb voller Empörung an seinen Vater:

Wenn im "Robert le Diable" in der Friedhofsszene die verstorbenen Nonnen eine nach der anderen kommen und den Helden zu verführen suchen, bis es der Äbtissin endlich gelingt; wenn der Held ins Schlafzimmer seiner Geliebten dringt und sie zu Boden wirft: Es hat Effekt gemacht, und das Publikum hat geklatscht, wie es auch in Deutschland nachklatschen wird. Aber ich habe keine Musik dafür, denn es ist gemein. Und wenn das die heutige Zeit verlangt und notwendig findet, so will ich mit Freuden nichts anderes als Kirchnmusik schreiben.

Nun denn, vielleicht ist es ja wirklich Meyerbeers Schuld, daß wir von Mendelssohn keine Opern besitzen. Das Pariser Opernpublikum fand indes nicht Verwerfliches an solchen Szenen. An die Sittsamkeit hinter den Klostermauern glaubte eh' niemand mehr; und wenn die Chorsängerinnen nun als Nonnen auftraten: einfach apart – stimmte es doch ganz und gar mit ihrem frivolen Lebens wandel überein.

Musik-Nr.: 02
Komponist: Giacomo Meyerbeer
Werk-Titel: Robert le Diable
Auswahl: Arie des Bertram (3. Akt).
"Nonnes qui reposez!"
<Track __.> 3:20
Interpreten: xx
Label: Decca (LC ____)
411 659 1
<Track __.> Gesamt-Zeit: 3:20

Fünf Jahre nach dem Erfolg des "Robert le Diable" wagte Meyer beer sich erneut mit einer Oper an die Öffentlichkeit – das Thema diesmal: die Ermordung der protestantischen Hugenotten durch die Katholiken in der berüchtigten Bartholomäus-Nacht von 1572. Mit dieser musikalischen Aufbereitung eines der blutrünstigsten Kapitel der französischen Geschichte entsprach Meyerbeer der Forderung des damaligen Publikums nach schauerlichen, aber historisch belegten Sujets in aufwendiger Dekoration.

Die Probenzeit bis zur Premiere der "Hugenotten" war ein fortwährender Kampf gegen Intrigen und Anfeindungen. So versuchten Rossini ud Halévy, die der Popularität Meyerbeers kompositorisch nichts mehr entgegenzusetzen hatten, die Aufführung der "Hugenotten" auf ihre Weise zu hintertreiben: Sie boten der Primadonna Madmoiselle Falcon die erkleckliche Summe von 10.000 Francs an, damit sie für einen Durchfall der Oper sorge. Die Falcon, eine glühende Verehrerin Meyerbeers, nahm das Geld dankend an – und sang dann in der Premiere nur umso schöner.

Meyerbeers Seelenfrieden blieb von derartigen Vorfällen nicht unberührt. In einem Brief an seine Frau beklagt er sich über die widrigen Arbeitsbedingungen an der Pariser "Grand Opéra":

Ich verliere täglich mehr die Lust und Kraft, in den schmutzigen Kot Strudeln herumzuwühlen, worin man das heutige Theater, das heutige Publikum und die heutige Kritik suchen muß, und woraus man dann auch noch Erfolge fischen soll!

Aber den eigentlichen Kot und Unflat sollte Meyerbeer erst noch zu spüren bekommen, und zwar wieder einmal aus deutschen Landen. Anläßlich der Leipziger Aufführung der "Hugenotten" ereiferte sich der Komponist Robert Schumann in seiner "Neuen Zeitschrift für Musik"' mehrere Seiten lang über das Werk; besonders darüber, daß der Jude Meyerbeer sich erdreistet hatte, den hehren protestantischen Kirchenchoral "eine feste Burg ist unser Gott" für profane Opernzwecke zu mißbrauchen:

Oft möchte man sich an die Stirn greifen, zu fühlen, ob da oben noch alles im gehörigen Stande, wenn man Meyerbeers Erfolge im gesunden musikalischen Deutschland erwägt. Gestern ging ich zum ersten Mal in die "Hugenotten". Aber mit welchem Widerwillen mich das ganze erfüllte, kann ich gar nicht beschreiben. Ich bin kein Moralist, aber einen guten Protestanten empört's, sein teuerstes Lied auf den Brettern abgeschrien zu hören; ihn empört es, das blutigste Drama seiner Religionsgeschichte zu einer Jahrmarktsfarce heruntergezogen zu sehen: Im ersten Akt ein Trinkgelage mit lauter Männern, und dazu – recht raffiniert – eine Dame, aber ganz verschleiert. Im zweiten Akt dann eine Schwelgerei von badenden Frauen und dazwischen – ein Jüngling mit verbundenen Augen. Im dritten Akt vermischt sich die liederliche Tendenz mit der heiligen; im vierten wird die Würgerei vorbereitet, und im fünften Akt schließlich findet das widerliche Gemetzel statt. Schwelgen, morden, beten – von weiter nichts steht in Meyerbeers "Hugenotten"! Vergebens würde man einen ausdauernd reinen Gedanken, eine wahrhaft christliche Gesinnung darin suchen. In dieser Oper herrscht Gemeinheit, Unnatur, Unsittlichkeit, Un-Musik. Und das alles läßt man sich gefallen, weil es so hübsch in die Augen fällt – und vor allem: weil es aus Paris kömmt. Was bleibt nach den "Hugenotten" übrig, als daß man geradezu auf der Bühne Verbrecher hinrichtet und leichte Dirnen zur Schau stellt. – Und ihr deutschen sittsamen Mädchen haltet euch nicht die Augen zu?

Und so weiter. – Selbst Schumanns Pariser Freunde Chopin und Liszt, die auf Meyerbeer große Stücke hielten, waren entsetzt ob solcher Schmäh-Tiraden; und George Sand, die Lebensgefährtin Chopins, bezeichnete Schumann nach dieser Meyerbeer Kritik nur noch als den "Rufmörder aus Leipzig".

Musik-Nr.: 03
Komponist: Giacomo Meyerbeer
Werk-Titel: Die Hugenotten
Auswahl: Romanze des Raoul;
Choral des Marcel;
Hugenottenlied
(1. Akt, Nr. 2-4; Kl.-A. 41-60)
<Track __.>
<Track __.>
<Track __.>
 
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Interpreten: xx
Label: Decca (LC ____)
SET 460
<LP 2A Track __.> Gesamt-Zeit: 14:20

Im Jahre 1840 meldete sich bei Giacomo Meyerbeer ein deutscher Hungerleider namens Richard Wagner, der vorgab, etwas vom Komponieren zu verstehen. Was dieser Wagner allerdings vorzuweisen hatte, war nicht sonderlich berauschend. Mit einem devoten Begleitschreiben übersandte er die Partituren des "Liebesverbots" und des "Rienzi" und forderte Meyerbeer unverblümt auf, er möge sich doch für diese Werke gefälligst bei den Pariser Opernunternehmern verwenden:

Was bleibt einem Manne wie Ihnen denn noch Schöne res übrig? Künstlerruhm kann Ihnen fast nicht mehr zuteil werden, denn Sie haben schon das Unerhörteste er reicht: Überall, wo Menschen singen können, hört man Ihre Melodien. Sie sind ein Gott dieser Erde geworden. Wie herrlich muß es da für Sie sein, der Sie diesen Standpunkt erreicht haben, zurückzublicken und denjenigen, die Sie soweit hinter sich ließen, hilfreich die Hand zu reichen.

Meyerbeer reagierte auf diesen Überfall mit berechtigter Zurückhaltung: ein paar höfliche Worte über die Komposition, ein unverbindliches Empfehlungsschreiben – auf mehr will er sich vorerst nicht einlassen. Immerhin läßt er dem jungen ehrgeizigen Komponisten finanzielle Unterstützung zukommen. Aber Wagner will mehr. Immer wieder bestürmt er Meyerbeer mit Bettelbriefen, wobei der spätere Herrenmensch Richard Wagner sich nicht zu schade ist, unterwürfig im Staube zu kriechen:

Nehmen Sie meinen Kopf und mein Herz als Ihr eigen, mein Meister. Ich werde ein treuer, redlicher Sklave sein, denn ich gestehe es offen daß ich Sklaven Natur in mir habe. Mir ist unendlich wohl, wenn ich mich unbedingt hingegeben kann, bedingungslos, mit blindem Vertrauen. Kaufen Sie mich darum, mein Herr, Sie machen keinen ganz unwerten Kauf.

Das also war Wagner 1840. – Als sich dann die Berliner Opernintendanz auf Empfehlung Meyerbeers entschloß, den "Fliegen den Holländer" zur Aufführung zu bringen, schreibt Wagner an seinen Mäzen:

Ich werde in alle Ewigkeit nichts anderes gegen Sie aussprechen dürfen als Dank. Gott mache Ihnen jeden Tag Ihres schönen Lebens zur Freude und trübe Ihr Auge nie mit Kummer. Dies ist das aufrichtige Gebet Ihres aller aufrichtigsten Schülers und Dieners Richard Wagner.

Wie aufrichtig Wagner es meinte, wie sehr er sich gegenüber Meyerbeer zu Dank verpflichtet fühlte, belegt ein Brief an Robert Schumann, in dem Meyerbeer als hinterhältiger und schlauer Geschäftemacher bezeichnet und der mit dem Satz schließt:

Daß Sie aber ja nicht auf ihn schimpfen. Er ist mein Protektor!

Wie immer, wenn es um Geld und Protektion ging, war Wagner zu jeder Lüge und Heuchelei bereit. In einer seiner endlosen Lobhudeleien auf Meyerbeer verkündete er 1841:

Meyerbeer schrieb Weltgeschichte, Geschichte der Herzen und Empfindungen: Er zerschlug die Schranken der National-Vorurteile und vernichtete die beengenden Grenzen der Sprachidiome. Er schrieb Musik, wie sie vor ihm Händel, Gluck und Mozart geschrieben haben – und diese waren Deutsche, wie auch Meyerbeer ein Deutscher ist!

Was von derartigen Sprüchen zu halten war, wie Wagner wirklich über Meyerbeer dachte, enthüllt ein Brief aus derselben Zeit an seinen Freund Samuel Lehrs:

Europäisch können wir Opernkomponisten nicht sein – da heißt es: entweder deutsch oder französisch! Man sieht ja, was so ein Hans Narr wie der Meyerbeer uns für Schaden macht. Halb in Berlin, halb in Paris bringt er nirgends etwas Rechtes zustande. Das kommt davon, wenn man den Mantel so nach allen Winden hängt.

Wenden wir uns ab von diesem peinlichen Beispiel menschlicher Niedertracht. Wie auch Meyerbeer Besseres zu tun hatte, als um die Gunst des Herrn Wagner zu buhlen.

Musik-Nr.: 04
Komponist: Giacomo Meyerbeer
Werk-Titel: Die Afrikanerin
Auswahl: Arie des Vasco da Gama (4. Akt).
"Pays merveilleux ... O paradis"
<Track __.> 7:45
Interpreten: xx
Label: ____ (LC ____)
___
<Track __.> Gesamt-Zeit: 7:45

Neben Wagner gab es in Paris für Meyerbeer noch einen anderen, weitaus grausameren Quälgeist: den politischen Emigranten und Literaten Heinrich Heine. Heine hatte eine spitze Zunge – und eine noch spitzere Feder, und er wußte, wo er letzere bei Meyerbeer ansetzen mußte, damit Geld floß. Wenn es ihm gewinnversprechend erschien, pries er das Genie Meyerbeers in den höchsten Tönen. Aber ebenso verstand er es, Meyerbeer die Daumenschrauben anzulegen, wenn anders nicht an Geld zu kommen war. Dann ließ er beiläufig die Bemerkung fallen, es gebe da in Paris einige dem Komponisten feindlich gesonnene Kritiker, die aber mit einem kleinen Betrag von 500 Francs zum Schweigen zu bringen seien – Meyerbeer brauche ihm den Betrag bloß auszuhändigen, – er, Heine, werde dann schon mit den Herren von der Presse verhandeln. Seltsam ist dabei nur, daß derartiges sich immer dann zusammenzubrauen schien, wenn Heine selbst in finanziellen Schwierigkeiten steckte – oder sollte gar er jener ominöse feindlich gesonnene Kritiker gewesen sein?

Und Meyerbeer zahlt. Denn wenn er etwas fürchtet, dann sind es der Tratsch und die Gehässigkeiten der Presse. Als er aber Heines Trick durchschaut und für den armen Literaten diese Geldquelle nun zu versiegen droht, werden boshaftere Töne angeschlagen: Heine setzt das Gerücht in die Welt, der reiche Jude Meyerbeer habe sich seine Opern in Wirklichkeit von armen, unbekannten Komponisten schreiben lassen, finde aber zur Zeit keine neuen Opfer, die er aussaugen könne. Und an anderer Stelle, im Feuilleton der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" verkündet er, daß der Stern "Meyerbeer" seinen künstlerischen Zenit wohl endgültig überschritten habe:

Wie gerne wir es auch verschweigen, so müssen wir doch endlich gestehen, daß der Meyerbeer'sche Ruhm, diese ebenso künstliche wie kostspielige Maschine etwas in Stockung geraten ist. Aber wahrer Enthusiasmus herrschte in Paris eh' nie für den großen Maestro, der sein Publikum nur zu amüsieren wußte. Dieses Amüsement hat aber aufgehört, seitdem durch das beständige Ableiern des "Robert le Diable" und der "Hugenotten" auch die große Menge endlich erkannt hat, auf welche Weise Meyerbeer seine Opern komponiert, durch welche banalen Rechenkünste er seine Effekte hervorbringt, und wie dürftig und prosaisch zuletzt dieses ganze musikalische Gewebe ist. – Hinzu kommt, daß auch die persönlichen Freunde sich von ihm abwenden, denn sein erster und letzter Gedanke, wenn er irgendeinem Menschen begegnet, ist: Wie kann er mir als Reklame für meine Berühmtheit nützen?

Und wieder einmal kommt Meyerbeer für Heines Schulden auf, da mit dieser Quälgeist Ruhe gibt; denn gerade zu jenem Zeitpunkt kann er eine schlechte Presse weniger denn je brauchen. Vor allem der Vorwurf, ausgebrannt zu sein, trifft ihn hart. Sicherlich für die "Hugenotten" hat er fünf Jahre gebraucht; und nun wartet das Publikum schon 13 Jahre auf eine neue Oper von Meyerbeer.

Am Abend des 16. April 1846 ist es dann endlich soweit: Die französische Deputiertenversammlung im Palais Bourbon muß sich trotz dringender Angelegenheiten wegen Beschlußunfähigkeit vertagen, weil die meisten Abgeordneten in der Großen Oper sitzen, um der Uraufführung von Meyerbeers neuestem Werk, dem "Propheten" beizuwohnen. Wie alle anderen Opern Meyerbeers wird auch "Der Prophet" ein grandioser Erfolg sowohl künstlerisch als auch finanziell; und als nach fast fünf Stunden der Vorhang fällt, hat die 'Grand Opéra' an diesem einen Abend endlich ihr langjähriges Defizit von über 100.000 Francs ausgleichen können.

Nur Heinrich Heine unkte in der "Augsburger Allgemeinen Zei tung":

Am besten floriert derzeit mal wieder Meyerbeer, dessen neue Oper gestern abend gegeben ward, nachdem alles, was die beharrliche Intrige und der ungeheure Geldreichtum Meyerbeers vemochte, ins Spiel gebracht wurde, damit das klägliche Opus des "Propheten" als ein neues Wunder der Kunst ausposaunt werde.

Immerhin wurde das "klägliche Opus" noch im selben Jahr an 40 europäischen Bühnen gespielt. Und es entbehrt nicht einer gewis sen Ironie, daß bei der Berliner Erstaufführung die Rolle der Fides ausgerechnet mit der Sopranistin Johanna Wagner besetzt wurde, sehr zum Ärger ihres Onkels, des Komponisten Richard Wagner, der der Ansicht war, seine Nichte hätte wohl eine edlere Aufgabe für ihre Jugendkraft finden können als sich diesem "modernden Gerippe von Meyerbeer" aufzuopfern.

Musik-Nr.: 05
Komponist: Giacomo Meyerbeer
Werk-Titel: Der Prophet
Auswahl: Der Prophet <> 9:55
Interpreten: xx
Label: CBS (LC 0149)
M3K 79400
<CD 3, Track 9.10.11.> Gesamt-Zeit: 9:55