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Marpurg: Anleitung zum Clavierspielen

Kap. 1.9.1.1

I. Classe der Setzmanieren.

<39> § 1. Wenn eine Hauptnote in eben demjenigen Tacttheile durch sich selbst vermittelst der Verkleinerung, verändert wird: so entstehet daraus eine Manier, die man einen Schwärmer heisset. Fig. 37. Tab. II. Wenn der Einklang mit der Octave abgewechselt wird, so wird derselbe ein springender Schwärmer genennet. Fig. 38. Tab. II. Wie bey dem Schwärmer die Rückung angebracht werden könne, siehet man bey Fig. 39. und 40.

NB: Tab. II. Fig. 37 / 38 / 29 / 40

Anmerkung.
  1. Wenn man von den beyden kleinern Noten, worinnen man eine grössere vertheilet, die eine weg läßt, so nennet man dieses überhaupt halbiren oder zertheilen. Besonders aber nennet man Abkürzen, wenn man die letzte kleinere verschweigt, wie Fig. 41. Tab. II. und Trennen oder Verbeissen, wenn man die erste kleinere verschweigt. Fig. 42. Tab. II.

    NB: Tab. II. Fig. 41 / 42

So wie man das Abkürzen, welches sonst auch Abstossen genennet wird, durch Puncte oder kleine Striche anzuzeigen pfleget, wie wir oben gesehen haben: so pflegen einige das Trennen durch das bey Fig. 49. Tab. II. befindliche Zeichen vorzustellen. Es ist aber besser, daß man dafür eine Pause setzet, so wie man bey § (a) Fig. 42. siehet.

NB: Tab. II. Fig. 42 / 49

<40> [Anmerkung.]
  1.  
  2. Wenn eine Note bey der Wiederhohlung derselben auf eben derjenigen Stuffe aus einem schlimmen Tacttheile in einen guten versetzet wird, so nennet man solche Versetzung eine Rückung, und diese Rückung kann entweder mit erneuertem Anschlage geschehen, wie bey Fig. 45. Tab. II. oder vermittelst einer Bindung, und diese Bindung kann so wohl durch die eigne Grösse der Noten an sich, wie bey Fig. 39. (a) Tab. II. als durch einen Bogen, wie bey Fig. 39. (b) angezeiget werden.

    NB: Tab. II. Fig. 39 / 45

§ 2. Wenn eben dieselbe Hauptnote zu verschiednen Tacttheilen liegen bleibt, ohne bey jedem durch einen frischen Anschlag erneuert zu werden, wie bey Fig. 43. Tab. II. so nennet man dasselbe eine Haltung Fig. 44. Tab. II.

NB: Tab. II. Fig. 34 / 44

§ 3. Wenn man auf der Zeit einer vorhergehenden Hauptnote eine folgende Hauptnote im Durchgange zum voraus hören läßt, so nennet man dieses eine Hauptnote voraus nehmen, es mag solches durch einen doppelten Anschlag, wie bey Fig. 45. Tab. II. oder vermittelst einer Bindung wie bey Fig. 46. Tab. II. verrichtet werden.

NB: Tab. II. Fig. 45 / 46

Anmerkung.

Vermittelst der Halbirung wird auch öfters allhier die anschlagende Note weg gelassen.

Fig. 50. Tab. II.

§ 4. Wenn man auf der Zeit einer folgenden Hauptnote eine vorhergehende im Wechselgange noch einmahl hören lässet, so nennet man solches eine § Hauptnote aufhalten, es mag solches durch einen doppelten Anschlag, wie bey Fig. 47. Tab. II. oder vermittelst einer Bindung geschehen, wie bey Fig. 48. Tab. II.

NB: Tab. II. Fig. 47 / 48

Anmerkung.
Alle diese itzt erklärte Manieren, die von der Verkleinerung, Haltung, Vorausnehmung und Aufhaltung einer Hauptnote entstehen, werden schwebende Manieren genennet.