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Nicolai: Musik & Artzneygelahrtheit

§. 1. Die Bewegung der Luft bey dem Schalle.

<1> Niemahls kann ein Schall ohne Luft entstehen. So gewiß dieses ist, so nothwendig ist es auch, daß sie iederzeit in Bewegung gesetzt werden muß, wenn ein Schall hervorgebracht werden soll. Will man nun wissen, was für eine Bewegung der Luft zum Schalle erfordert werde, so darf man nur auf einen gewissen Fall, da ein Schall in der Luft entstehet, Acht haben und dasienige anmerken, was dabey vorgehet. Eine Peitsche erregt einen Schall, wenn sie stark und schnell in freyer Luft beweget wird. Was geschiehet aber alsdenn? Sie schlinget sich dergestalt herum, als wenn sie einen Knoten machen wollte. Sie druckt also die Lufttheilgen, welche sie während ihrer Bewegung antrift, stärcker zusammen, als sie sonst zusammen gedruckt sind, wenn diese Bewegung nicht geschiehet, und dieses Zusammendrücken läßt so gleich nach, wenn die Bewegung der Peitsche aufhöret. Die Lufttheilgen, welche zusammen gedrückt <2> worden, dehnen sich so gleich und in einen weit grössern Raum aus, als derienige war, den sie vorher eingenommen hatten, und indem dieses geschiehet, so müssen sie ebenfals die benachbarte Luft zusammendrücken, welche hernach durch ihre Ausdehnung eben so in die nächstfolgende wirket. Solchergestalt bestehet die Bewegung der Luft bey dem Schalle in einer wechselsweisen Zusammendrückung und Ausdehnung der Lufttheilgen und eben das macht die zitternde Bewegung derselben aus. Sollen wir den Schall hören, so muß die zitternde Bewegung der Luft einen gewissen Grad der Stärcke haben, welcher verursachet, daß sie bis in unsere Ohren gelangen und daselbst eine merckliche Veränderung hervorbringen kann.