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Nicolai: Musik & Artzneygelahrtheit

§. 3. Was ein starker und schwacher Schall, und was ein hoher und tiefer Ton ist.

Die Luft wird in eine zitternde Bewegung gesetzet, wenn ein Schall entstehet [Siehe] §. 1. Nun kan entweder viel Luft beweget und in den Gehörgang gebracht werden, oder wenig. Wenn viele Lufttheilgen zittern, und in die Ohren kommen, so ist der Schall <5> starck und schwach, wenn sich wenigere Lufttheilgen bewegen. Man kan ferner auf die Geschwindigkeit sehen, womit die Lufttheilgen zittern, und wenn man in dieser Absicht einen Schall mit dem andern vergleicht, so nennt man ihn einen Ton. eine Saite giebt einen höhern Ton von sich, wenn sie stärcker gespannt wird, und die Anzahl ihrer zitternden Bewegungen ist iederzeit der Quadratwurtzel der Kraft, womit sie gedehnt wird, proportional. Man setze demnach, es hätten zwey Saiten einerley Länge und Dicke, und die eine würde viermahl stärcker gedehnt als die andere, so wird sich die Geschwindigkeit ihrer zitternden Bewegungen zu der Geschwindigkeit, womit die andere Saite zittert, verhalten wie 2 zu 1 und einen Ton von sich geben, der um eine Octave höher ist. Der Luft muß diese Geschwindigkeit der zitternden Bewegungen mitgetheilet werden [Siehe] §. 1. Derowegen ist ein Ton hoch, wenn die Lufttheilgen geschwinde zittern, und tief, wenn sie ihr Zittern langsam verrichten. Da sich nun die Empfindungen unter der Bedingung, daß die Nerven einerley Spannung haben, sich wie die Quadrate der Geschwindigkeiten verhalten, wenn die Massen der wirckenden Körper gleich groß sind, und die Quadratwurtzel iederzeit grösser ist, wenn das Quadrat grösser gewesen ist, so muß ein hoher Ton einen stärckern Eindruck ins Gehör machen, als ein tiefer Ton von eben demselben Instrumente, wenn bey dem einem so <6> viel Luft bewegt wird als bey dem andern, das ist, wenn beyde gleich starck sind. Und die Erfahrung lehret dieses sonderlich an den blasenden Instrumenten.