Home | Impressum
KölnKlavier · Themen
Übersicht Nicolai: Musik & Artzneygelahrtheit Startseite

Nicolai: Musik & Artzneygelahrtheit

§. 7. Von der Structur des Ohren.

Daß man ohne Ohren nichts hören könne, ist eine Sache, die nichts weniger als meines Beweises bedarf. Ich werde es daher nicht Umgang nehmen können, die Structur der Ohren, und die Veränderung, so darinnen vorgehet, wenn wir einen Schall hören, zu betrachten. Das äussere Ohr bestehet aus einem Knorpel, der mit einer Haut überzogen und um den Gehörgang rund herum erhaben ist. Einige Theile desselben machen verschiedene Biegungen und Krümmungen, andere aber stehen hervor. Alles das ist ohnfehlbar darum so gemacht worden, damit ein Schall oder Ton, er mag aus einer Gegend herkommen, woher er will, in den Gehörgang gebracht werde. Dieser hat die Gestalt einer cylindrischen Ellipse. Denn ein Theil geht ein wenig in die Höhe, der nächstfolgende geht herunterwärts, hernach steigt er wieder in die Höhe und endiget sich auf der Trummelhaut <13> (tympanum), welche eine schiefe Stellung bekommen, dergestalt, daß sie mit dem obersten Theile des Gehörganges einen stumpfen, mit dem untersten aber einen spitzen Winkel macht. Wenn also die Stralen des Schalles in den Gehörgang hineingebracht worden, so fallen sie zugleich auf den einen Brennpunkt dieser elliptischen Fläche, und müssen davon in den andern Brennpunkt gebracht werden. Es hat damit eben die Beschaffenheit, wie mit den Sprachgewölbern. Wenn in denselben iemand in dem einen Brennpunkt tritt, und leise gegen die Wand redet, so wird der andere, welcher in dem andern Brennpunkt stehet, alles verstehen, da die übrigen, so darneben stehen, nichts davon vernehmen können. Uber das Trummelfell ist eine Nerve gespannt, welcher chorda tympani heißt, und zu den Muskeln hinläufet, die an den Gehörknochen befestiget sind und das Trummelfell nach verschiedenen Graden spannen und nachlassen können. Die Gehörknochen (ossicula auditus) sind der Hammer (malleus) Ambos (incus) Steigbügel (stapes) und das runde Beinlein (ossiculum orbiculare). Diese sind alle mit einander verknüpft. Der Hammer aber ist an das Trummelfell bevestiget und der Steigbügel steht auf dem ovalem Fenster (fenestra ovalis) welches zu dem Eingange (vestibulum) geht. Alles dieses ist in der Höhle des Trummelfells (cavitas tympani) befindlich, und ausserdem ist noch <14> das runde Fenster (fenestra rotunda). Dieses liegt dem Mittelpunkte des Trummelfells gerade gegenüber, und ist eine Eröfnung der Schnecke (cochlea) und mit einer zarten Haut verschlossen. Die Schnecke selbst nebst den drey halbcirkelrunden Canälen (canales semi-circulares) liegen in dem innersten Theile des Ohres, so der Labyrinth genennt wird.