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Nicolai: Musik & Artzneygelahrtheit

§. 8. Wie das Hören geschiehet.

Wenn eine Saite einen gewissen Ton von sich giebt, so wird die Luft, welche in eine zitternde Bewegung ist gesetzt worden, an das Trummelfell anstossen und in der Saite (chorda tympani) desselben eine gewisse Empfindung verursachen. Da nun auf eine iede Empfindung eine Bewegung erfolgt, die ihr proportional ist, so ziehen sich zugleich die Muskeln an dem Hammer zusammen, und spannen das Trummelfell durch unendlich viele und unendlich kleine Grade, bis es einen solchen Grad der Spannung bekommt, daß es mit eben der Geschwindigkeit, wie die angestossene Luft, zittert. Freylich aber muß dieses alles mit einer ungemeinen Geschwindigkeit geschehen. Diese zitternde Bewegung wird den Gehörknochen mitgetheilet, welche mit eben der Geschwindigkeit zu zittern anfangen, mit welcher das Trummelfell zittert, und der Steigbügel setzt selbige weiter durch das ovalrunde <15> Fenster bis in den Eingang (vestibulum) fort, da denn die halbcirckelrunden Canäle nebst denen in ihnen befindlichen Nerven eben so geschwind zu zittern anfangen. Eben diese zitternde Bewegung der Luft in der Trummelhöhle (cavitas tympani) stößt zugleich an das runde Fenster, welches dem Mittelpunkte des Trummelfells gerade gegen über liegt. Dadurch wird die in der Schnecke befindliche Luft in eben die Bewegung gesetzt, welche hernach demienigen Nervenfäserchen mitgetheilet wird, so mit eben der Geschwindigkeit zu zittern geschickt ist, und wenn dieses zittert, so hören wir den Ton. Weil aber die Gewalt der Luft in der Schnecke, welche durch das runde Fenster die zitternde Bewegung erhalten hat, sehr geringe ist, so würde sie nicht so leicht das Nervenfäserchen in Bewegung setzen können, wenn nicht zugleich die Luft, so durch das ovalrunde Fenster in dem Eingange (vestibulum) und in den halbcirckelrunden Canälen (canales semi-circulares) in eine zitternde Bewegung ist gesetzt worden, an die Schnecke anstösse und vornemlich ihre Scheidewand, dadurch ich die laminam spiralem verstehe, erschütterte, welche hernach diese Bewegung dem Nervenfäserchen desto eher mittheilen kan. Es kan dieses um so viel leichter geschehen, da die halbcirckelrunden Canäle der Schnecke gerade entgegen liegen. Denn das macht, daß sich die Luft gegen dieselbe bewegen müsse.