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Hiller: Lebensbeschreibungen berühmter Musikgelehrten

Bach (Johann Sebastian)

Cantor und Musikdirektor zu Leipzig.

<9> Dieser Choriphäus aller Orgelspieler gehört zu einem Geschlechte, welchem Liebe und Geschicklichkeit zur Musik, gleichsam als ein allgemeines Geschenk, für alle seine Mitglieder, von der Natur mitgetheilt zu seyn scheinen. So viel ist gewiß, daß von Veit Bachen, dem Stammvater dieses Geschlechts an, alle seine Nachkommen, nun schon bis ins siebende Glied, der Musik ergeben gewesen, auch alle, nur etwan ein Paar davon ausgenommen, Profeßion von der Musik gemacht haben.

Es war dieser Veit Bach, im sechzehnten Jahrhunderte, der Religion wegen, aus Ungarn vertrieben worden, und hatte sich nachher in Thüringen niedergelassen.

Viele seiner Nachkommen haben auch in dieser Provinz ihren Aufenthalt gefunden. Unter den vielen vom Bachischen Geschlechte, welche sich in der praktischen Musik, auch in Verfertigung neuer musikalischer Instrumente hervorgethan haben, sind außer unserm Johann Sebastian, sonderlich folgende, ihrer Composition wegen, merkwürdig:

  1. <10> Heinrich Bach, ein, im Jahr 1692 verstorbener Organist in Arnstadt.
  2. Johann Christoph, Hof- und Stadtorganist in Eisenach, gestorben im Jahr 1703, und dessen Bruder
  3. Johann Michael, Organist und Stadtschreiber im Amte Gehren; beide waren Söhne des erstern; der letztere war Joh. Sebast. Bachs erster Schwiegervater.
  4. Johann Ludewig, Herzoglich-Meinungischer Kapellmeister.
  5. Johann Bernhard Bach, Kammermusikus und Organist zu Eisenach, gestorben 1749.

Von allen diesen finden sich noch hin und wieder Arbeiten, welche von der Stärke ihrer Verfasser, sowohl in der Vokal- als Instrumentalcomposition zeugen. Besonders ist obiger Johann Christoph Bach in Erfindung schöner Gedanken sowohl, als im Ausdrucke der Worte stark gewesen. Er setzte, soviel es nämlich der damalige Geschmack erlaubte, sowohl galant und singend, als auch ungemein vollstimmig. Wegen des erstern Punkts kann eine von ihm gesetzte Motette, in welcher er, außer andern artigen Einfällen, schon das Herz gehabt, die übermäßige Sexte zu gebrauchen, ein Zeugniß abgeben; wegen des zweyten Punkts aber, ist ein von ihm <11> mit 22 obligaten Stimmen, ohne jedoch der reinsten Harmonie einigen Eintrag zu thun, gesetztes Kirchenstück eben so merkwürdig, als der Umstand, daß er, auf der Orgel und dem Klaviere niemals mit weniger als fünf nothwendigen Stimmen gespielt hat. Johann Bernhard hat viel schöne, nach der Telemannischen Art eingerichtete Ouverturen gesetzt.

Es würde zu verwundern seyn, daß so brave Männer außerhalb ihrem Vaterlande so wenig bekannt geworden sind, wenn man nicht bedächte, daß diese ehrlichen Thüringer mit ihrem Stande und Vaterlande so zufrieden waren, daß ihnen nie die Lust ankam, außerhalb demselben einem beßern Glücke nachzugehen. Sie zogen den Beyfall der Herren, in deren Gebiete sie geboren waren, und einer Menge treuherziger Landsleute, die sie um sich hatten, andern noch ungewissen, mit Mühe zu suchenden Lobeserhebungen weniger und öfters neidischer Ausländer mit Vergnügen vor. Diese kleine Ausschweifung in die Geschichte der Bachischen Familie wird dem Leser hoffentlich nicht unangenehm seyn; wir kehren nun aber wieder zu unserm Johann Sebastian zurück.

[2. Teil: Biographisches]

<11> Es ward derselbe im Jahre 1685, den 21. März, in Eisenach geboren. Sein Vater, Johann Ambrosius Bach, war Hof- und Stadtmusikus <12> daselbst; die Mutter aber, eine geborne Lemmerhirtin, war eines Rathsverwandten in Erfurt Tochter. Sein Vater hatte einen Zwillingsbruder, mit Namen Johann Christoph, welcher Hof- und Stadtmusikus in Arnstadt war. Diese beiden Brüder waren einander in allem, auch sogar was den Gesundheitszustand und die Wissenschaft in der Musik betrift, so ähnlich, daß man sie, wenn sie beysammen waren, blos durch die Kleidung unterscheiden konnte.

Johann Sebastian war noch nicht zehn Jahre alt, als er sich seiner Eltern durch den Tod beraubt sahe. Er begab sich nach Ordruff, zu seinem ältern Bruder, Johann Christoph, Organisten allda, und legte unter desselben Anführung den Grund zum Klavierspielen. Die Lust des kleinen Johann Sebastian zur Musik war schon in diesem zarten Alter ungemein. Er hatte, in kurzer Zeit, alle Stücke, die ihm sein Bruder zum Lernen aufgab, in die Faust gebracht. Ein Buch voll Klavierstücke, von den damaligen berühmtesten Meistern, Frobergern, Kerlen, Pachelbeln aber, welches sein Bruder besaß, wurde ihm, alles Bittens ungeachtet, versagt. Sein Eifer immer weiter zu kommen, gab ihm also folgenden unschuldigen Betrug ein. Das Buch lag in einem mit Gitterthüren verschloßenen <13> Schranke. Er holte es also, weil er mit seinen kleinen Händen durch das Gitter langen und das nur in Papier geheftete Buch im Schranke zusammen rollen konnte, des Nachts, wenn alles zu Bette war, heraus, und schrieb es beym Mondenscheine ab, weil er auch nicht einmal eines Lichtes mächtig war. Nach sechs Monaten war diese musikalische Beute glücklich in seinen Händen. Er suchte sich dieselbe insgeheim, mit ausnehmender Begierde, zu Nutze zu machen, als zu seinem größten Leidwesen sein Bruder dessen inne wurde, und ihm seine, mit so vieler Mühe verfertigte Abschrift, ohne Barmherzigkeit, wegnahm. Er bekam auch dies Buch nicht eher als nach seines Bruders Absterben wieder. Aber eben diese Begierde, in der Musik weiter zu kommen, eben der, an gedachtes Buch, gewandte nächtliche Fleiß hat vielleicht den ersten Grund zur Ursache seines eigenen Todes gelegt, wie man weiter unten auf diese Vermuthung gerathen wird.

Johann Sebastian begab sich, nachdem sein Bruder gestorben war, in Gesellschaft eines seiner Schulkameraden, Namens Erdmann, der als Baron und Rußisch-Kaiserlischer Resident in Danzig gestorben ist, nach Lüneburg auf das dasige Michaels-Gymnasium.

<14> In Lüneburg wurde er, seiner schönen Sopranstimme wegen, wohl aufgenommen. Einige Zeit hernach ließ sich einsmals, als er im Chore sang, wider sein Wissen und Willen, bey den Soprantönen auch zu gleicher Zeit die tiefere Octave hören. Diese ganz neue Art von Stimme behielt er acht Tage lang, binnen welcher Zeit er nicht anders, als in Octaven singen und reden konnte. Er verlor hierauf die hohen Töne des Soprans, und zugleich seine schöne Stimme.

Von Lüneburg aus reisete er zuweilen nach Hamburg, um den damals berühmten Organisten an der Katharinenkirche, Johann Adam Reinken zu hören. Auch hatte er von hieraus Gelegenheit, durch öftere Anhörung einer damals berühmten Kapelle, welche der Herzog von Zelle unterhielt, und die mehrentheils aus Franzosen bestand, sich mit dem französischen Geschmacke, welcher zu der Zeit, in dasigen Landen, etwas ganz Neues war, bekannt zu machen.

Im Jahre 1703 kam er nach Weimar, und ward daselbst Hofmusikus. Das Jahr darauf erhielt er die Organistenstelle an der neuen Kirche in Arnstadt. Hier zeigte er eigentlich die ersten Früchte seines Fleißes in der Kunst des Orgelspielens, und in der Composition, welche er größtentheils nur durch das aufmerksame Durchlesen <15> der Werke der damaligen berühmten und gründlichen Componisten, und durch eigenes Nachdenken erlernt hatte. In der Orgelkunst nahm er die Werke eines Bruhns, Reinke, Buxtehude, und einiger guten französischen Organisten zu Mustern. Das Verlangen, soviel gute Organisten zu hören, als ihm möglich wäre, trieb ihn einst zu Fuße von Arnstadt nach Lübeck, um den dasigen berühmten Organisten an der Marienkirche, Diedrich Buxtehude, zu behorchen. Er hielt sich daselbst, nicht ohne Nutzen, fast ein Vierteljahr auf, und kehrte alsdann wieder nach Arnstadt zurück.

Im Jahre 1707 wurde er zum Organisten an der St. Blasiuskirche in Mühlhausen berufen: Allein diese Stadt hatte nicht lange das Vergnügen ihn zu besitzen. Eine im folgenden Jahre nach Weimar unternommene Reise, und die Gelegenheit, sich vor dem damals regierenden Herzoge hören zu lassen, machte, daß man ihm die Hoforganistenstelle in Weimar antrug, von welcher er sogleich Besitz nahm. Der Beyfall den sein Orgelspielen hier erhielt, feuerte ihn an, alles mögliche in dieser Kunst zu versuchen; wie er denn auch die meisten seiner Orgelstücke hier gesetzt hat. Im Jahr 1714 wurde er, an eben diesem Hofe, zum Concertmeister ernannt. Die mit dieser Stelle verbundenen Verrichtungen bestanden <16> damals hauptsächlich darinne, daß er Kirchenstücke componirte und aufführte. Nebenher hat er in Weimar verschiedene brave Organisten gezogen, unter welchen Johann Caspar Vogler, sein zweyter Nachfolger, vorzüglich bemerkt zu werden verdient.

Während der Zeit war der Organist und Musikdirektor an der Marktkirche zu Halle, Zachau, mit Tode abgegangen, und Bach erhielt den Ruf zu diesem Amte. Er reiste auch wirklich nach Halle, und führte daselbst sein Probestück auf; fand aber Ursachen, dieser Stelle zu entsagen, welche darauf Kirchhof erhielt.

Im Jahre 1717 fand Bach eine besondere Gelegenheit, Ehre einzulegen. Der in Frankreich berühmte Klavierspieler und Organist, Marchand, war nach Dresden gekommen, und hatte sich vor dem Könige mit so großem Beyfalle hören lassen, daß ihm eine ansehnliche Besoldung war geboten worden, wenn er in königlichen Diensten bleiben wollte. Der damalige Concertmeister in Dresden, Volumier, dem die Verdienste unsers Bachs bekannt waren, schrieb an ihn nach Weimar, und lud ihn zu einem musikalischen Wettstreite mit dem aufgeblasenen Marchand nach Dresden ein. Bach nahm diese Einladung an, und reiste nach Dresden. Volumier verschaffte ihm Gelegenheit seinen Gegner erst im Verborgenen <17> zu hören. Hierauf lud Bach den Marchand, durch ein höfliches Handschreiben, zu einem Wettstreite ein. Er erbot sich, alles was ihm Marchand aufgeben würde, aus dem Stegreife auszuführen, bat sich aber von ihm gleiche Bereitwilligkeit aus. Marchand nahm die Ausfoderung an; Zeit und Ort wurden, mit Vorwissen des Königs, bestimmt. Bach erschien zu rechter Zeit auf dem Platze, in dem Hause eines vornehmen Ministers, wo eine große Gesellschaft von Personen beyderley Geschlechts, und von hohem Range sich versammelt hatte. Marchand ließ lange auf sich warten. Man schickte endlich in sein Quartier, mußte aber zur größten Verwunderung hören, daß er, an eben dem Tage, früh mit Extrapost von Dresden abgereist sey. Ob nun gleich aus dem Wettstreite zwischen zween großen Männern nichts werden konnte, so hatte doch Bach die beste Gelegenheit, die Stärke zu zeigen, mit welcher er wider seinen Gegner bewafnet war, welches er auch, zur Verwunderung aller Anwesenden that. Bach ließ übrigens dem Marchand die Gerechtigkeit wiederfahren, daß er ihm eine feine und manierliche Spielart gern zugestand.

Nachdem nun Bach wieder nach Weimar zurück gekommen war, berief ihn, noch in eben dem Jahre, der damalige Fürst Leopold <18> von Anhalt-Köthen, ein großer Kenner und Liebhaber der Musik, zu seinem Kapellmeister. Er trat dieses Amt unverzüglich an, und verwaltete es ohngefähr sechs Jahre. Während dieser Zeit that er eine Reise nach Hamburg, und ließ sich daselbst vor dem Magistrate und andern Vornehmen der Stadt auf der Orgel in der Catharinenkirche, über zwo Stunden lang, hören. Der Organist, Reinke, der beynahe hundert Jahre alt war, hörte ihm mit besonderm Vergnügen zu, und machte ihm am Ende das Compliment: "Ich dachte, diese Kunst wäre gestorben; ich sehe aber, daß sie in Ihnen noch lebt." Reinke nöthigte ihn hierauf zu sich ins Haus, und erwies ihm viel Höflichkeit.

Im Jahre 1723 ward er vom Rathe zu Leipzig zum Cantor und Musikdirektor an der Thomasschule (Anm.: Telemann in Hamburg, und Fasch in Zerbst hatten gleichfalls vom Rathe den Ruf, verbaten ihn aber.) berufen. Er folgte diesem Rufe, ob er gleich seinen Fürsten ungern verließ. Die Vorsehung schien ihn, noch vor dem bald darauf erfolgten Tode dieses Fürsten, von Köthen entfernen zu wollen, damit er wenigstens bey diesem traurigen Falle nicht gegenwärtig wäre. Er verfertigte in Leipzig eine Trauermusik auf diesen Todesfall, und ehrte sie in Köthen in eigener Person auf.

<19> Nicht lange darauf bekam er vom Herzoge zu Weissenfels den Kapellmeistertitel, und im Jahr 1736 ward er zum Königl. Polnischen und, Churfürstl. Sächsischen Hofcompositeur ernannt; nachdem er sich vorher einigemal in Dresden, vor dem Hofe, und den dasigen Musikkennern, mit großem Beyfalle auf der Orgel hatte hören lassen.

Im Jahr 1747 that er eine Reise nach Berlin, und fand Gelegenheit, sich vor dem Könige von Preussen in Potsdam hören zu lassen. Der König gab ihm selbst ein Thema zu einer Fuge auf, die Bach sogleich, auf einem Pianoforte, sehr gelehrt und künstlich ausführte. Hierauf verlangte der König eine sechsstimmige Fuge zu hören, und Bach leistete diesem Befehle sogleich, über ein selbst gewähltes Thema, Gnüge. Nach seiner Zurückkunft nach Leipzig brachte er ein dreystimmiges und ein sechsstimmiges sogenanntes Ricercar, nebst noch einigen andern Kunststücken, über das vom Könige ihm aufgegebene Thema, zu Papiere, und widmete es, in Kupfer gestochen, demselben.

Sein von Natur etwas blödes Gesicht, welches durch seinen übermäßigen Eifer im Studiren, wobey er, sonderlich in seiner Jugend, ganze Nächte hindurch saß, noch mehr war geschwächt worden, brachte ihm, in seinen letzten Jahren, eine Augenkrankheit zuwege. Er wollte dieselbe, <20> auf Anrathen einiger seiner Freunde, welche auf einen damals in Leipzig angelangten Augenarzt viel Vertrauen setzten, durch eine Operation heben lassen: Diese aber, ungeachtet sie noch einmal wiederholt werden mußte, lief sehr schlecht ab. Er konnte nicht nur sein Gesicht nicht wieder brauchen; sondern sein, im übrigen sehr gesunder Körper, wurde auch dadurch, und durch hinzugefügte schädliche Medicamente und andere Nebendinge, gänzlich verdorben: so daß er darauf, ein völliges halbes Jahr, fast immer kränklich war. Zehn Tage vor seinem Tode schien es sich unvermuthet mit seinen Augen zu bessern, so daß er einmals des Morgens recht gut sehen, und auch das Licht des Tages wieder vertragen konnte. Allein wenige Stunden darnach ward er von einem Schlagflusse überfallen; auf diesen erfolgte ein hitziges Fieber, an welchem er auch am 28 Julius 1750 sanft und selig verschied.

[3. Teil: Werke]

<20> Die Werke, die man diesem großen Comporlisten und Tonkünstler zu danken hat, bestehen in gedruckten und ungedruckten. Die gedruckten, oder vielmehr in Kupfer gestochenen sind folgende:

  1. Der Klavierübungen erster Theil, bestehend in sechs Suiten.
  2. Der Klavierübungen zweyter Theil, bestehend in einem Concert, und einer Ouverture <21> für einen Klavicymbal mit zwey Manualen.
  3. Der Klavierübungen dritter Theil, bestehend in unterschiedenen Vorspielen über einige Kirchengesänge, für die Orgel.
  4. Eine Arie mit dreißig Variationen.
  5. Sechs dreystimmige Vorspiele zu eben so viel Gesängen, für die Orgel.
  6. Einige canonische Veränderungen über den Gesang: Vom Himmel hoch da komm ich her.
  7. Zwo Fugen, ein Trio und etliche Canons, über das oben gemeldete, von Sr. Majestät dem Könige von Preussen, aufgegebene Thema, unter dem Titel: Musikalisches Opfer.
  8. Die Kunst der Fuge. Seb. Bachs letztes Werk, welches alle Arten der Contrapunkte und Canons über einen einzigen Hauptsatz enthält: Seine letzte Krankheit hat ihn verhindert, nach seinem Entwurfe die vorletzte Fuge zu Ende zu bringen, und die letzte, welche vier Themata enthalten und nachgehend in allen vier Stimmen umgekehrt werden sollte, auszuarbeiten. Dies Werk ist erst nach des Verfassers Tode ans Licht getreten.
  9. Vierstimmige Choralgesänge, gesammlet und herausgegeben von C. Ph. Ein. Bach. Berl. Erster Theil 1765. Zweyter Theil <22> 1769. in Folio. Diese Choräle sind eigentlich für vier Singstimmen auf vier Systeme gesetzt; aber den Liebhabern der Orgel und des Klaviers zu gefallen auf zwey Systeme zusammengezogen. Jeder Theil enthält 200 Choralmelodien. Von vieren im ersten Theile sagt der Herausgeber, daß sie nicht von seinem Vater wären.

Die ungedruckten Werke werden ohngefähr folgende seyn:

  1. Fünf Jahrgänge von Kirchenstücken, auf alle Sonn- und Festtage.
  2. Viele Oratorien, Missen, Magnificat, einzelne Sanctus, Dramen, Serenaden, Geburts- Namenstags- und Trauermusiken, Brautmessen, auch sogar einige komische Singstücke.
  3. Fünf Passionen, worunter eine zweychörige ist.
  4. Einige zweychörige Motetten.
  5. Eine Menge von freyen Vorspielen, Fugen und dergleichen Stücken für die Orgel, mit obligatem Pedale.
  6. Sechs Trii für die Orgel.
  7. Viele Vorspiele zu Chorälen, für die Orgel.
  8. Ein Buch voll kurzer Vorspiele zu den meisten Kirchenliedern.
  9. <23> Zweymal vier und zwanzig Vorspiele und Fugen, durch alle Tonarten, fürs Klavier.
  10. Sechs Toccaten fürs Klavier.
  11. Sechs Suiten für eben dasselbe.
  12. Noch sechs dergleichen, etwas kürzere.
  13. Sechs Sonaten für eine Violin, ohne Baß.
  14. Sechs dergleichen fürs Violoncell.
  15. Verschiedene Concerte für 1. 2. 3. bis 4 Klaviere.
  16. Funfzehn Inventiones.
  17. Funfzehn Sinfonien.
  18. Sechs kleine Vorspiele. Außerdem noch eine Menge anderer Instrumentalsachen, von allerley Art und für allerley Instrumente.
[4. Teil: Nachkommen und Schüler]

<23> Zweymal ist unser Bach verheyrathet gewesen. Das erstemal mit der jüngsten Tochter des obengedachten Johann Michael Bachs. Aus dieser Ehe hat er sieben Kinder, fünf Söhne und zwo Töchter gehabt, worunter sich ein Paar Zwillinge befanden. Die merkwürdigsten davon sind, der ehemalige Musikdirektor und Organist an der Marktkirche zu Halle, Wilhelm Friedemann, geboren 1710; und sodann der vortrefliche und berühmte Kapellmeister Carl Philipp Emanuel, jetziger Musikdirektor in Hamburg. Diese erste Ehe dauerte nur dreyzehn Jahre: denn im <24> Jahr 1720 wiederfuhr unserm Johann Sebastian, in Köthen, der empfindliche Schmerz, daß er, bey seiner Zurückkunft von seiner Reise, die er mit seinem Fürsten nach dem Carlsbade gethan hatte, seine Gattin todt und begraben fand. Die erste Nachricht, daß sie, krank gewesen, und gestorben war, erhielt er nicht eher als beym Eintritte in sein Haus.

Er verheyrathete sich hierauf im Jahr 1721 zum zweytenmale, mit eines Herzogl. Weissenfelsischen Hoftrompeters, Wülkens, Tochter. Von dreyzehn Kindern, nämlich sechs Söhnen und sieben Töchtern, blieben sechs am Leben, und sind von diesen zu merken, der jetzige Reichsgräfliche Schaumburg-Lippische Concertmeister, Johann Christoph Friedrich, geboren 1732, und der unter den Namen des Mayländischen oder englischen Bachs bekannte Johann Christian, geboren 1735.

Von seinen Schülern in der Composition und im Klavierspielen wollen wir nur einige wenige namhaft machen, und zwar solche, von denen wir überzeugt sind, daß sie ihrem Lehrer Ehre gemacht haben. Der erste mag sein nachheriger Schwiegersohn, der längst verstorbene Organist in Naumburg, Altnikol, seyn. Goldberg, Agricola, Krebs, Kirnberger sind ebenfalls schon todt, so daß uns unter den noch lebenden <25> jetzt nur der einzige Homilius, jetziger Cantor und Musikdirektor an der Kreuzkirche in Dresden, beyfällt. Noch bis auf den heutigen Tag hält man es für Ehre, den Unterricht dieses großen Mannes genossen zu haben, so daß sich mancher für einen Schüler desselben ausgiebt, der er doch niemals gewesen ist.

Dies wäre nun die kurze Beschreibung des Lebens eines Mannes, welcher der Musik, seinem Vaterlande, und seinem Geschlechte zu besondrer Ehre gereicht.